Gleich sechs Jubiläen wurden am Freitagabend in der Alsfelder Max-Eyth-Schule mit kurzweiligen Reden, Musik und vielen Gästen gefeiert: 50 Jahre Namensgebung der MES, 40 Jahre Fachoberschule, 35 Jahre deutsch-französische Partnerschaft mit der Vendée, 25 Jahre berufliches Gymnasium, 15 Jahre Förderverein und zehn Jahre Europaschule.
Zum Auftakt spielte „MES Gebläse“, ein Kollektiv aus ehemaligen und aktuellen Lehrern und Schülern passend zum zehnjährigen Jubiläum der einzigen Europaschule im Kreis „Te Deum“, die Eurovisionshymne. Moderiert wurde der Abend gut gelaunt und humorvoll von den Lehrern Steffi Ebert und Thomas Casper, die zunächst Schulleiterin Claudia Galetzka ankündigten. In ihrer Rede erinnerte die Schulleiterin an den Namensgeber, Max Eyth, dessen Geist auch heute noch prägend für die Schulkultur sei. Der 1836 geborene Maschinenbauingenieur habe erkannt, dass sich technisches Handeln am Wohle der Menschen zu orientieren habe. Zudem hat er als Ingenieur fünf Kontinente bereist und sein Credo „Hinaus, lernen und lernend schaffen“ stets beherzigt. Diesem globalen Anspruch sei auch die Schule, die seinen Namen trägt, verpflichtet: Neun Partnereinrichtungen in sieben Ländern von Island bis Ghana förderten Völkerverständigung, Respekt und Toleranz. Weltoffenheit, internationale Berufskompetenz und europäische Integration seien Teil der Schulkultur der Max-Eyth-Schule.
Mit der Fachoberschule und dem beruflichen Gymnasium leiste man einen wichtigen Beitrag zur Integration, denn so könnten auch Schüler einen hohen Bildungsabschluss erlangen, die nicht direkt nach der vierten Klasse auf ein Gymnasium wechselten.
Landrat Manfred Göring, selbst Absolvent der Max-Eyth-Schule, lobte die Rolle der Schule bei der Bekämpfung des Fachkräftemangels. „Wir brauchen jeden Einzelnen,“ so der Landrat. und sagte zu, sich für finanzielle Mittel zum weiteren Ausbau der Schule einzusetzen und Fachklassen am Standort Alsfeld zu erhalten.
Rolf Heckeroth vom staatlichen Schulamt lobte das Engagement der Schule im Anpassungsprozess an den demografischen Wandel. Erster Stadtrat Jürgen-Udo Pfeiffer zeigte sich beeindruckt von der Vernetzung der Schule in der Region und bezeichnete sie als „Vorzeigeschule in der hessischen Schullandschaft“.
Emotionale Worte kamen von Nicolas Ridel, stellvertretender Schulleiter der französischen Partnerschule in der Vendée, der für die jahrzehntelange freundschaftliche Verbundenheit dankte. „Die Annäherung von jungen Leuten aus verschiedenen Ländern ist vielleicht das Beste, was man in diesen Zeiten einer großen Krise in Europa tun kann.“
Stellvertretend für die Kreishandwerkerschaft Lauterbach lobte Edwin Giese die Partnerschaft mit der Max-Eyth-Schule und stellte die Bedeutung des Dualen Systems heraus, das vielen Jugendlichen eine Chance ermöglichte, die „sonst durch den Rost fallen würden“.
„MES ist mehr als nur Unterricht,“ betonte Schulsprecher Manuel Malveiro Olivera und unterstrich den multikulturellen Charakter der Schule, in der derzeit Schülerinnen und Schüler aus 28 Nationen lernten.
Unterbrochen von Videobotschaften der Partnerschulen aus aller Welt und musikalischen Einlagen der Lehrerband verging der Abend kurzweilig. Nach Fachvorträgen der Abteilungsleiter gab es zum Schluss noch eine Überraschung: Helmut Euler, Vorstandsvorsitzender der VR Bank HessenLand, stiftete der MES ein Elektroauto. Die Bank unterstützte die Schule bei der Gründung einer Energiegenossenschaft, für den Betrieb einer Photovoltaikanlage auf dem Schuldach.
Das Elektroauto sei ein „Zeichen für weitere Nachhaltigkeit in der Region“ und könne auch für Vermietungen genutzt werden, so Euler.
Der Abend klang locker und mit angeregten Gesprächen aus.
Am Samstag öffnete die MES dann ihre Türen für alle Interessierten. Zahlreiche Besucher kamen zum Tag der offenen Tür an der beruflichen Schule in Alsfeld. Helmut Reitschky, stellvertretende Schulleiter zog eine durchweg positive Bilanz: „Es ist gelungen, unsere vielfältigen Bildungsangebote noch bekannter zu machen, “ zahlreiche interessierte Schüler und Eltern hätten die Gelegenheit für intensive Gespräche genutzt und sich über Schulformen und Bildungsmöglichkeiten informiert. Die Max-Eyth-Schule bietet mit ihren vielen unterschiedlichen Bildungsgängen eine große Bandbreite an Wahlmöglichkeiten für die Schüler. „So können wir die Schüler sehr neutral und entsprechend ihrer Stärken und Neigungen beraten“.
Lehrkräfte und Schüler stellten mit unglaublich viel Engagement und Begeisterung ihre Schulformen und Fachbereiche vor, zeigten Projekte und demonstrierten, wie der Unterricht an einer modernen Berufsschule gestaltet wird.
Egal ob Maßschneiderinnen, Landmaschinenmechatroniker, Ernährungsfachleute, Kaufleute, Techniker oder Sozialpädagogen – um nur einige zu nennen, sie alle öffneten die Türen ihrer Klassenräume, Labore und Werkstätten und gewährten unterhaltsame und spannende Einblicke in die Bildungsangebote der Schule, das von der Teilzeitberufsschule über Ausbildungen und Weiterbildungen bis zu Vollzeitschulformen reicht.
Besonders beeindruckend war die Vielfalt der Projekte und Vorführungen: Während die Maßschneiderinnen zauberhafte Kostüme für die geplante Aufführung des Märchens „Die Schneekönigin“ zeigten, ließen die Techniker die Roboter rotieren und im Fachbereich Sozialpädagogik konnte man Natur riechen, fühlen und schmecken. Um guten Geschmack ging es auch bei den Bäckern, die ins gemütliche „Dark Café“ zu leckerem Kuchen einluden und bei den Ernährungsklassen, die ein reichhaltiges Suppenbüffet bereithielten. Währenddessen brachten die Landmaschinenmechatroniker die Augen von großen und kleinen Jungen zum Leuchten, die auf einem historischen Lanz-Bulldog mitfahren oder auf einem hochmodernen Mähdrescher Platz nehmen durften.
Der Tag der offenen Tür endete am Samstagabend mit der KirMES, einer großen Party, bei der ehemalige und aktuelle Schüler miteinander feiern.