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2011

Papayabäume, Schrottplätze und Kakaoplantagen

Hilfsbereit: Die Schülerinnen auf dem Foto bekommen Stipendien aus Alsfeld. Davon

Kerstin Dietrich und Gerd Heylmann berichteten über ihrer Studienfahrt nach Ghana

Oberhessische Zeitung 26.02.2011

Während draußen mal wieder ein paar Schneeflocken vom Himmel rieselten, träumte man sich am Donnerstagabend in viel wärmere, weit entfernte Gefilde. Kerstin Dietrich und Gerd Heylmann nahmen ihre Zuhörer mit auf eine Reise nach Ghana, die sie selbst im vergangenen Herbst gemacht haben.

Im Jugendzentrum Alsfeld in den Gemäuern des alten Klostergartens lauschten rund 30 Zuhörer den Erzählungen von Kerstin Dietrich, Lehrerin für Politik und Deutsch an der Max-Eyth-Schule, und Gerd Heylmann vom Weltladen Alsfeld, die im Oktober 2010 gemeinsam mit zwei Lehrern und vier Schülerinnen die Partnerschule "Margaret BuechMagentafarbene Blüten, dunkelhäutige Frauen mit Körben auf dem Kopf, Papayabäume und Kakaoplantagen leuchteten von der Leinwand und vermittelten das Bild von einer Welt, die der europäischen, nicht nur räumlich, sehr fern ist. Die Fotos dokumentieren eine Studienreise, die als Projekt der "Europaschule" Max-Eyth-Schule durchgeführt und vom Europäischen Entwicklungsdienst betreut wurde. Doch nicht nur paradisische Motive zierten die Fotos der Reisenden: Neben der unberührten Natur sah man Verkehrschaos und Schrottplätze, die das Gesamtbild aber nur wenig trübten."In dem Ort waren wir schon eine kleine Attraktion", kommentierte Dietrich die Anwesenheit von den acht deutschen in der kleinen Stadt Duayaw Nkwanta, die größenmäßig mit Alsfeld vergleichbar sei. Die Patenschule der MES vorort ist eine Teilinternatsschule für Mädchen, die eine Ausbildung in Fächern wie Hauswirtschaft, Englisch, Mathe, Landwirtschaft und Sport anbietet. Als Gastgeschenk besorgte die kleine Reisegruppe einen neuen Kühlschrank für die Mädchenschule, der zur Ausbildung in Hauswirtschaft und Kochen unabdingbar ist.Um Schülerinnen, die die finanzielle Mittel für diese Ausbildung nur schwer aufbringen können, zu helfen, unterstützt die MES drei Mädchen ihrer Patenschule mit einem Stipendium. Finanziert werden die Spenden von der Schülervertretung, dem Lehrerkollegium und dem Weltladen.Immer wieder betonten die beiden Referenten die Gastfreundlichkeit der Einheimischen, die sie oft sogar zum Essen zu sich nach Hause einluden. Dietrich und Heylmann berichteten von Besuchen in Kinderkliniken, von Märkten mit frischem Obst und Gemüse und Gottesdiensten zu Ehren der Lehrer vor Ort. "Da tanzt man zum Klingelbeutel", kommentierte das Publikum das Video von einem Gottesdienst, in dem Frauen singenderweise um den Opferstock tanzten.Auf dem Programm der vier Erwachsenen und vier Schüler stand außerdem eine Rundreise, die zu zahlreichen sehenswerten und für die Ghanaer heiligen Orte führte: zum Bosumtwi, einem Kratersee, der durch einen Meteoriteneinschlag entstand, zu einem Wasserfall, an dem den Naturgottheiten gehuldigt wird, und nach Nsawam zu einer Ananasplantage, die jährlich bis zwölf Tonnen frische Ananas und zusätzlich acht bis zwölf Tonnen getrocknete Früchte produziert. Heylmann, der im Weltladen selbst nur fair gehandelte Produkte anbietet, bedauerte, dass nur 40 Prozent der Früchte mit Fairtrade-Aufschlag, der Rest aber zum Weltpreis verkauft würde. Ohne den Aufschlag reichte der Erlös gerade einmal, um die Transportkosten nach Europa zu decken. Auch andere wirtschaftliche Probleme wie das der Endverarbeitung von Produkten, die in Ghana nur selten möglich ist, oder die Effizienz der Altkleidersammlung wurde in familiärer Atmosphäre bei Wein und anderen Getränken diskutiert.Fasziniert von vielen Eindrücken aus einer ganz anderen Kultur und einer Gegend, in der "die Bananen in jedem Straßengraben wachsen", musste das Publikum im Anschluss wohl oder übel wieder mit den kalten Temperaturen in unseren Breitengraden vorlieb nehmen.