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2011

Gott muss man suchen wie Ostereier

Der Jude Amon Orbach legt sich „Tefillin“, Gebetsriemen für Hand und Kopf, an.

Schwester Hiltraude Burkhard erklärt die Bedeutung des Weihwassers.

Am Weltreligionentag tauschten sich Schüler der Max-Eyth-Schule mit Vertretern verschiedener Glaubensrichtungen aus

26.02.2011 Oberhessische Zeitung

"Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen..." ist es, wenn Menschen unterschiedlicher Glaubensrichtungen aufeinander treffen. Dieser Titel eines von vier Workshops bot der Jahrgangsstufe 11 der Max-Eyth-Schule am gestrigen Weltreligionentag Anlass, Praktiken und Rituale verschiedener Religionen auf den Grund zu gehen. Vertreter von Islam, Juden- und Christentum gewährten den Schülern Einblick in ihre Glaubenswelt.

Auf die Oberstufenschüler der Max-Eyth-Schule wartete am Freitagvormittag in jedem Klassenzimmer der Einstieg ineine völlig andere Welt. Während Adem Maden vom Dachverband der türkisch-islamischen Union in Alsfeld und Selcuk Dogruer, Dialog-Beauftrager des DITIB-Landesverbandes Hessen, über die fünf Säulen des Islam berichteten, nahmen die Schüler im Workshop Judentum die heilige Thora und das wichtigste jüdische Gebet unter die Lupe.

Seit 2006 veranstaltet der Fachbereich Politik und Religion der Max-Eyth-Schule in Zusammenarbeit mit dem Evangelischen Dekanat unter der Hauptorganisation von Ralf Müller jährlich diese Begegnung der besonderen Art. Der Workshop soll für die Jugendlichen im Umgang mit Erfahrungen eine Ventilfunktion haben und Konfliktpotenzial mindern.

"Warum betet ihr auf Teppichen?", "Was ist, wenn man zur Gebetszeit einen wichtigen Termin hat?" Fragen wie diese sprudelten aus den wissbegierigen Schülern der MES und zielten meist auf die alltägliche Umsetzbarkeit der verschiedenen Religionen. Die Pilgerfahrt nach Mekka, eine der fünf Säulen des Islams, die jeder Moslem einmal im Leben machen muss, erntete Kritik: In den pilgernden Menschenmassen kommen auch Leute um.

Die Elftklässler erforschten die Bedeutung von Ritualen wie der Waschung vor jedem Gebet oder dem Fastenmonat Ramadan, deren Heiligkeit laut der anwesenden Muslime darin liegt, dass sie als Gebote im Islam verankert sind, die durch den Propheten Mohammed übeliefert wurden.Um eine Sammlung außergewöhnlicher Gegenstände herumsitzend, lauschten die Schüler im Workshop Judentum gebannt den Erklärungen des überzeugten Juden Amon Orbach, Voritzender der jüdischen Gemeinde Marburg. Mit Fingerspitzengefühl legte er den Gebetsriemen, Tefillin, an, der in vorgesehenen Kapseln Bibelverse enthält und den die Juden als "Schmuck zwischen den Augen tragen", wie es im fünften Buch Mose geboten wird. "Wir wissen nicht, was die Thora von uns will. Wir leben nur nach ihrer Auslegung", erklärte Orbach. Die Existenz Gottes zu verstehen und nicht aus Angst oder Hoffnung an Ihn zu glauben, sei der direkteste Weg zu Gott.Aufgeklärt über Pessach, das jüdische Fest zum Auszug aus Ägypten, Mazzen, das zugehörige, ungesäuerte Brot, und typische Gottesdienste in der Synagoge konnten die Oberstufenschüler das Wissen über ihre eigene Religion testen. "Gott muss man suchen wie Ostereier", hieß es im Workshop Christentum, geleitet von Gerda Klemp, ehemalige Gemeindepädagogin aus Alsfeld, und Schwester Hiltraude Burkhard, die in der religiösen Bildungsarbeit tätig ist. Gemeinsam sprach man über die Bedeutung von Weihnachten und Ostern ("das Fest des Lebens"), symbolische Zeremonien wie das Abendmahl und die Unterschiede zwischen katholischen und evangelischen Bräuchen. Mit ihren Äußerungen von gefestigtem Glauben, dass Menschen der christliche Gott in schwierigen Situationen zur Seite steht, trafen die beiden Gemeindearbeiterinnen dennoch auf Skepsis bei einigen Schülern. "Meine Eltern sind da sehr tolerant", hieß es meist auf die Frage, ob ein potenzieller Partner Muslim sein dürfe. Im Workshop "Nicht nur Friede, Freude, Eierkuchen..." mit Walter Mengel und Kenan Gülmez, Alevit, von der Stadtjugendpflege Stadtallendorf, ging es um Alltagssituationen von Menschen verschiedener Konfession. Tätig in einem Ort mit Einwohnern 70 verschiedener Nationalitäten, kennen die beiden Workshopleiter die Spannungsfelder, die sich zwischen verschiedenen Glaubensrichtungen auftun. Auf kommunikative Art und Weise plauderten sie mit den Jugendlichen über persönliche Einstellungen, Familienverhältnisse und eigene Erfahrungen im Kontakt mit anderen Kulturen und Religionen. Die Antworten auf die Frage nach einer christlich-muslimischen Partnerschaft reichten von "geht gar nicht" bis "gar kein Problem". Für die Schüler war allerdings klar, dass es nicht um die Religion, sondern um den Charakter eines Menschen geht. Ob man für den Partner zur anderen Religion übertritt und welcher Konfession gemeinsame Kinder angehören sollen, ließen viele Jugendliche offen.Über eine Sache waren sich aber zumindest die Jungen überwiegend einig: Der Verzicht auf Schweinefleisch für eine muslimische Partnerin würde ihnen sicher schwer fallen.