Was haben Vaterschaftstests, Untersuchungen und Vervielfältigung von Blut-, Speichelspuren zur Aufklärung von Gewaltverbrechen mit der Max-Eyth-Schule gemein? Tummeln sich unter den vielen Ausbildungszweigen der Alsfelder Europaschule nun auch Pathologen und angehende Gerichtsmediziner?
Im ersten Augenblick scheinen diese Aufgabenfelder keinen Platz im Schulalltag zu haben und doch finden sich einige Berührungspunkte zwischen einzelnen Ausbildungsgängen und diesen Anwendungen.
Im Rahmen eines biochemischen Praktikums zum Thema „genetischer Fingerabdruck“, besuchte ein junges Biologenteam von der Universität Kassel kürzlich den Abschlussjahrgang der CTA´s (chemisch-technische Assistenten), um gemeinsam die Methode zur Vervielfältigung von DNA-Spuren durchzuführen und mehr über deren Anwendungsgebiete zu erfahren.
Einen genetischen Fingerabdruck kann man mit dem Muster eines Strichcodes vergleichen, der für jeden Menschen einzigartig ist. Um diese Genabschnitte sichtbar zu machen, werden definierte Stellen der DNA, die aufgrund der unterschiedlichen Anzahl von Wiederholungen von Person zu Person unterschiedlich sind, mittels Polymerasekettenreaktion (PCR) vervielfältigt, durch Elektrophorese aufgetrennt und schließlich unter UV-Licht ausgewertet.
Der Erfinder, der US-Amerikaner Kary Banks Mullis, erhielt für diese für die biochemische Analytik revolutionäre Methode 1993 den Chemie-Nobelpreis.
„Die Partnerschaft mit der Universität Kassel besteht schon seit einigen Jahren, und wir freuen uns, unseren Auszubildenden diese Einblicke ermöglichen und damit ihr Qualifikationsspektrum erweitern zu können!“ bestätigt Laborleiter Dr. E. Falk das Engagement der Schule.
Um in die molekularen Ebenen der DNA-Sequenzen eindringen zu können, sind hochentwickelte Präzissionsgeräte unerlässlich. Der Kostenaufwand für solche Untersuchungen würde das normale Schulbudget weit übersteigen. Um den Auszubildenden solche Methoden dennoch zugänglich zu machen, stehen der Max-Eyth-Schule als Europaschule Fördergelder der EU zur Verfügung. So ist dieser Praktikumstag eine gute Gelegenheit, Erfahrungen für spätere Tätigkeitsfelder zu sammeln.
Die Einsatzgebiete von chemisch-technischen Assistenten sind sehr vielfältig: Umweltlabors, Universitäten, Untersuchungsämter, gewerblichen Betriebe und die chemisch-pharmazeutischen Industrie sind auf Fachkräfte angewiesen. Außerdem steht ihnen der Weg in den biotechnischen und medizinischen Bereich offen. Diesen Anforderungen können CTA´s aufgrund ihres breit gefächerten, naturwissenschaftlichen Basiswissens bestens genügen. Neben den chemischen Grundlagen sollen ein Verständnis für naturwissenschaftliches Arbeiten vermittelt, den Blick für die Zusammenhänge des natürlichen Kreislaufes geschärft und die Schüler für den Berufsalltag zugerüstet werden.
„Gerade in Zeiten, da sich die Kehrseiten des wissenschaftlich-technologischen Weltbildes deutlich zeigen, wollen wir die Herausforderung zu einem umweltbewussten und nachhaltigem Denken annehmen und fördern!“, beschreibt die Lehrerschaft des Ausbildungszweiges Chemietechnik das Ziel ihrer Arbeit.
Darum liegt der Schwerpunkt der CTA-Ausbildung auch im Bereich der Umweltökologie mit den Schwerpunkten Abwasser- und Bodenanalytik. Die Auszubildenden lernen mit zeitgemäßen Analysemethoden und technischen Geräten umzugehen und z. B. die Qualität von Trinkwasser-, Gewässer- und Bodenproben zu bestimmen und zu bewerten.
Für das kommende Schuljahr stehen noch Ausbildungsplätze zur Verfügung. Interessenten können sich an die Abteilungsleiterin, Charlotte Falk (Tel. 06631 9670376, Sprechzeiten), wenden oder den Informationsabend am 3. Mai 2011, 19.00 Uhr, besuchen.