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2011

Eine gelungene Mischung aus Spiel und Erzählungen

Allein im Wald: Hänsel und Gretel fühlen sich verlassen.

"theater 3 hasen oben" führte "Hänsel und Gretel" vor Alsfelder Schulen auf.

 

Mit selbst gebastelten Karten begrüßten die Schülerinnen und Schüler des Berufsvorbereitungskurses von Sabine Suppus-Klein ihre jüngsten Gäste am gestrigen Morgen in der Alsfelder Max-Eyth-Schule. Dorthin war die gesamte Schülerschaft der Erich-Kästner-Schule gekommen, um sich gemeinsam mit einigen Klassen der beruflichen Schule das Theaterstück "Hänsel und Gretel" anzusehen. Eine Aufführung, die viele Besonderheiten bereithielt, wie die verantwortlichen Organisatorinnen Barbara Götte von der Erich-Kästner-Schule, Sabine Suppus-Klein von der Max-Eyth-Schule und Ilona Sauer, Leiterin des Projekts "Theater und Schule", fanden. Ungewöhnlich war zum einen die unterschiedliche Altersstruktur der Zuschauer: Von sechsjährigen Vorschülern bis hin zu jungen Erwachsenen waren alle Altersstufen in der Aula in der Krebsbach versammelt. Auf den ersten Blick schien auch die Kooperation der beiden Schulen ungewöhnlich, doch auf anderen Ebenen, nämlich im Rahmen der Berufsbildung und Berufspraktika, arbeiten Max-Eyth-Schule und Erich-Kästner-Schule schon länger zusammen. Und außerordentlich bemerkenswert war die Aufführung selbst, die mit einer gelungenen Mischung aus Spiel und Erzählung, aus Witz und Dramatik, aus außergewöhnlichem Bühnenbild und viel Musik mit dem alten Märchen der Brüder Grimm nicht nur die kleineren Gäste ansprach. Ganz nah an der Geschichte und doch auch nah am heutigen Empfinden erweckten die Schauspieler Silvia Pahl und Klaus Willmanns gemeinsam mit ihrem Regisseur Günther Baldauf die beiden armen Geschwister und ihre verzweifelten Eltern auf der Bühne der Max-Eyth-Schule zum Leben. Für die Kostüme sorgte dabei mit Sophia Burkhardt übrigens eine ehemalige Schülerin der Max-Eyth-Schule. Nella und Nello, zwei reichlich durchgeknallte Erzähler, begrüßten die Zuschauer zunächst mit glucksendem Gelächter, bevor sie sich mit Kontrabass und Keyboard daran machten, eine rockige Version des bekannten Kinderliedes von Hänsel und Gretel zu singen. Mit nur wenigen Requisiten verwandelten sich die beiden Künstler in den nächsten 60 Minuten abwechselnd in Hänsel und Gretel, den Vater, die Stiefmutter und die Hexe. Dabei entlockten sie der ausgeklügelten Kulisse, die mal das ärmliche Elternhaus, mal der Wald und mal das schräg illuminierte Hexenhaus darstellte, einige Geheimnisse. Sogar hineinfressen konnten sie sich, als sie zum Hexenhaus kamen, und durch ein enthülltes Gitterfenster wieder hinaus sehen. Mit Musik und allerlei geheimnisvollen Geräuschen schufen Silvia Pahl und Klaus Willmanns eine ausdrucksstarke Atmosphäre, etwa die Angst, als sie als Hänsel und Gretel alleine im Wald zurückgelassen wurden und ihre ausgeworfenen Brotkrumen nicht mehr fanden. Doch auch mit ihrer schauspielerischen Vielfalt, ihren Stimmen und Mimik, die sie den unterschiedlichen Figuren gaben, machte fast vergessen, dass sie die sieben Personen nur zu zweit spielten. Dazu tat auch die Fantasie, mit der das alte Märchen umgesetzt ist, ihr Übriges: die Musik und die Texte, mit denen Nella und Nello das Geschehen auflockerten und vorantrieben etwa, oder die Hexe, die so ganz anders auftrat, als man es auf Anhieb von einer klassischen Hexe erwartet hätte. Dennoch war die kurzsichtige Frau mit der Federboa und den verführerischen Dessertrezepten genauso bösartig wie ihr Vorbild und natürlich wollte sie die Kinder fressen und natürlich nahm sie ein böses Ende, ein Ende, an dem für Hänsel und Gretel und den Vater schließlich alles gut wird. Gut vorbereitet worden war dieser Theaterbesuch in der Erich-Kästner-Schule schon im Vorfeld und schnell war dabei deutlich geworden, wie viele Identifikationsmöglichkeiten alte Märchen auch heute noch bieten, so Barbara Götte.

13.01.2010 Oberhessische Zeitung