Oberhessische Zeitung vom 02.04.2011
ALSFELD (gsi). Der gelbe VW-Oldtimer leuchtete- auch im Regen - strahlend gelb am Donnerstagabend vor der Max-Eyth-Schule. Vielleicht das erste, keinesfalls jedoch das letzte "Déjà-vu" des Abends, der genau unter diesem Motto stand. Der Mode aus dem letzten Jahrhundert hatten die mehr als sechzig Maßschneiderinnen und Eibe-Textilschülerinnen der Alsfelder Schule ihre Modelle nachempfunden, die sie seit Beginn des Schuljahres entworfen und genäht hatten und die sie nun im Rahmen einer großartigen Modenschau präsentierten.
Unter den Gästen waren nicht nur Lehrer und Eltern, sondern auch viel modeinteressiertes Publikum, denn längst hat sich die Modenschau der Max-Eyth-Schule zu einem Geheimtipp in der Alsfelder Modewelt entwickelt, zu einem "alljährlichen Highlight", wie Schulleiterin Claudia Galetzka die Show bezeichnete. Kein Wunder also, dass sie voller Stolz eine ganze Reihe Ehrengäste aus der regionalen Wirtschaft und dem Schulleben begrüßte. Mit einem kurzen Überblick über die Modestile, die jeweils von ihrem Zeitgeist geprägt waren, eröffnete sie die Schau, auf die die Gäste und die Models sich sichtlich freuten. Schließlich war seitens des Publikums mit zahlreichen Erinnerungen zu rechnen, auf der anderen Seite inszenierten sich die Schneiderinnen selbst: Sie trugen ihre eigene Mode auf dem Catwalk.
Die Moderation hatten Caro Staelberg und Christine von Gawlowski übernommen. Sie präsentierten - jeweils stilgerecht gekleidet - die wichtigsten Charakteristika der vorgestellten Epochen: lange Röcke, hochgeschlossene Blusen, schmale Taille.
Lange, changierende Kleider hatten die Schneiderinnen sich zu der Jugendstil-Ära einfallen lassen, doch sie griffen auch Elemente aus der Männermode auf, garnierten ihre Auftritte mit detailverliebt ausgewählten Accessoires und bestachen durch gekonnte Choreografien und witzige Ideen auf dem Laufsteg.
Abendkleider waren auch ein Motiv der "Golden 20´s", auch wenn die Mode in dieser Zeit sich dem veränderten Lebensgefühl der Frauen anpasste. Frauen wurden unabhängiger, modische Vorbilder waren Coco Chanel oder auch Josephine Baker. Neben changierenden Stoffen und eleganten Schnitten hatten die Schneiderinnen auch kleine Verbeugungen vor zwei Stars der 20er-Jahre in ihre Show einfließen lassen - Mode, die an Charlie Chaplin und Mickey Mouse erinnerte! Die Pause rahmte eine ganz besondere Zeitreise ein, denn die Schülerinnen hatten von Karoline Ruhl aus Herbstein einige original alte Kleidungsstücke aus der ersten Hälfte des letzten Jahrhunderts zur Verfügung gestellt bekommen.
Die 50er-Jahre bestachen zunächst durch weibliche Formen: Bleistiftröcke, enge Blusen. In den 60er-Jahren wurde zum ersten Mal die Jugend zum Trendsetter: Hippiemode, Minirock, Schlaghosen, Flowerpower. Fast ist es unnötig zu sagen, dass die Schneiderinnen der Max-Eyth-Schule die einzelnen Stilelemente gekonnt umsetzten.
Obendrein jedoch bestach ihre Show auch mit perfektem Styling: vom dramatischen Make-up der Jahrhundertwende bis hin zu den toupierten Hochfrisuren der 60er-Jahre war alles vertreten. Dazu zierten kleine Reminiszenzen an typische Symbole der Ären die Modelle: ein Herz auf dem Hintern, ein Rubik`s Cube als Vorbild für das Muster, eine Friedenstaube auf dem Rücken. Stolz und selbstbewusst und voller Freude präsentierten die jungen Frauen gemeinsam mit drei Männern ihre Modelle, auch dann noch, als die 80-er Jahre, mit Leggings, Armpolstern und weißen Tennissocken wohl wirklich das "Jahrzehnt des schlechten Geschmacks" ihre fantasievollen Kleidungsstücke inspirierten.
Am Ende der Show hatten die Auszubildenden und die Eibe-Schülerinnen nicht nur bewiesen, dass sie schneidern können, sondern dass sie sich mit aller Kraft in ein solch anspruchsvolles Projekt stürzen können, dass sie jede Menge komödiantisches Talent besitzen und dass ihnen ihr Tun unglaublich viel Spaß macht. Teile der Kollektion der Max-Eyth-Schülerinnen werden am 14. April um 18 Uhr noch einmal in der VR Bank HessenLand zu sehen sein.
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