Oberhessische Zeitung vom 03.03.2011
Es war das kühle Nass, das gestern Vormittag bei den Schülern der Max-Eyth-Schule im Zentrum der Aufmerksamkeit stand. Anlässlich des siebten Gesundheitsforums berichteten externe und interne Experten den rund 80 Schülern der Fachrichtung Gesundheit über das Thema "Wasser: Lebensraum, Lebensmittel, Lebenselixier". In vier Workshops wurde das "Symbol für Reinheit und Reinigung" aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet, die über die naturwissenschaftliche hinausgehen. Den krönenden Abschluss des Thementages bot die Einweihung des neuen Trinkbrunnens im Foyer des beruflichen Gymnasiums.
"Raindrops keep falling on my head" von Billy Joe Thomas tönte lautstark durch das Foyer der Schule, Lehrer und Schüler tummelten sich vor dem Eingang zur Caféte. Anlass für den Auftrieb war die Einweihung des Trinkbrunnens, den der Abiturjahrgang 2010 seiner Schule geschenkt hatte. "Das Vogelsberger Wasser hat eine hohe Qualität", lobte Schulleiterin Claudia Galetzka, die sich stellvertretend für den letzten Abiturjahrgang bei den Spendern Sina Gonther, Marisa Heipel und Steffen Schäfer bedankte. Schreiner, Heizungs- und Klimasanitäter, Maler - Schüler all dieser Fachrichtungen seien an der Herstellung der Oase beteiligt gewesen, die Galetzka mit dem Zauberspruch "Aquamentis" - bekannt aus den Harry-Potter-Geschichten - zum Sprudeln brachte. In fünfzehn verschiedenen Sprachen prangt das Wort "Wasser" von der hölzernen Halterung des Brunnens, "damit sich auch alle Nationen angesprochen fühlen", erklärte die Schulleiterin.
Für den feierlichen Rahmen der Einweihung sorgte schon am Vormittag das siebte Gesundheitsforum der Max-Eyth-Schule: Schon vor Schulbeginn bot sich geschäftiges Treiben in der Aula des beruflichen Gymnasiums. Das Organisationsteam des diesjährigen Gesundheitsforum, bestehend aus vier Schülern der Jahrgangsstufe 12 und vier Lehrerinnen des beruflichen Gymnasiums, traf letzte Vorbereitungen für eine informative Fortbildungsveranstaltung zum Thema Wasser. Seit September letzten Jahres planten Sina Ickler, Ann Christin Weppler, Alessia Spahn und Sibel Yediler gemeinsam mit den betreuenden Lehrerinnen den gestrigen Vormittag, um ihren Mitschülern an diesem Mittwoch Experten aus Gesundheitswesen, Wasserversorgung und Getränkeindustrie präsentieren zu können.
"Wasser ist die wichtigste Ressource überhaupt auf der Welt und ein Wirtschaftsfaktor ersten Grades", betonte Dr. Henrik Reygers vom Gesundheitsamt Lauterbach in seinem Impulsreferat zum Auftakt der Veranstaltung. Nach der Begrüßung durch Schulleiterin Claudia Galetzka erläuterte der Arzt die chemische Zusammensetzung von H2O, Vorteile des Konsums und Auswirkungen von Wassermangel oder -überdruss auf den Stoffwechsel.
Etwas praktischer wurde es für die Oberstufenschüler in den anschließenden Workshops. Zum Thema "Wasser als Lebensmittel" luden Susanne Schellhaas und Melanie Braun von der Brauerei Alsfeld die Schüler zu Geschmacksproben verschiedener Wassersorten ein. Gemeinsam versuchte man, geschmackliche Unterschiede festzustellen. Die beiden Mitarbeiterinnen erläuterten die Bedeutung von Mineralstoffen, deren Kennzeichnung auf dem Etikett und die Unterschiede zwischen Mineral-, Quell- und Tafelwasser.
Im Labor konnten die Schüler das Wasser, was sie tagtäglich in Flaschen mit in die Schule bringen, dann genauer unter die Lupe nehmen. Gemeinsam mit Chemielehrer Erich Falk wurden Härte und Nitratgehalt der verschiedenen Mineralwasser untersucht. Chemisch-technische Assisstenten, die derzeit an der Max-Eyth-Schule in der Ausbildung sind, gingen den Schülern beim Umgang mit dem HPLC, einem modernen Analysegerät für Nitrat-, Sulfat- und Chloridgehalt, sowie bei der Härtemessung zur Hand. Die Wasserhärte ist nämlich nicht unerheblich, wie die Schüler wussten: Für Küchengeräte wie Spülmaschine oder die richtige Dosierung von Waschmittel spielt sie eine entscheidende Rolle.
Klänge von einem Wasserrohr, beruhigende Musik und spirituelle Erfahrungen erwarteten die Zwölftklässler im Workshop der beiden Schulpfarrerinnen Claudia Kautzmann und Christine Schellhaas. "Wasser hat eine lebensbedrohliches und ein lebensschaffendes Moment", erklärte Schellhaas und verwies damit auf Rituale, Symbole und religiöse Bedeutungen, die mit dem lebenswichtigen Element in Verbindung stehen. Highlight dieses Workshops war sicherlich die Entspannungsreise, auf die Pfarrerin Kautzmann ihre Zuhörer entführte. Bei Enstpannungsmusik und auf Matten liegend meditierte man, um dem Wasser als "Quelle und Ursymbol des Lebens" auf die Spur zu kommen.
Im Workshop "Wasser: Eine wichtige Flüssigkeit" nahm Peter Hög, Leiter der Abteilung Wasser bei der OVAG, die Schüler mit auf eine Zeitreise zurück in die Antike. Der Diplom-Ingenieur erklärte auf anschauliche Art und Weise, wie die Wasserversorgung damals bei den Griechen funktionierte und wie sie noch heute im Wetteraukreis und großen Teilen von Frankfurt von die OVAG betrieben wird.
Nebenan referierte Rainer Merle, technischer Leiter der Betriebswerke Alsfeld, über die Wiederaufbereitung von Wasser und dessen Reinigung in Kläranlagen. Bilder vom Quellgebiet in Ober-Breitenbach, Hochbehältern oder Druckerhöhungsanlagen in Alsfeld veranschaulichten den Weg, den das Wasser zurücklegt, bevor es klar und trinkbar aus den heimischen Wasserhähnen sprudelt.
Doch nicht nur zu Hause, nein, auch am neuen Trinkbrunnen der MES spritzt seit gestern erfrischendes Wasser aus dem Hahn. Zur Einweihung der neuen Begegnungsstätte wurde auch angestoßen - natürlich mit frischgezapftem Wasser.