Wie schon in 2008 fand sich für die Reise eine Gruppe aus acht Interessierten zusammen. Die Mitglieder waren diesmal die drei Lehrer Dorothea Simpfendörfer, Kerstin Dietrich und Dr. Christoph Stüber, weiterhin ein Mitarbeiter des Weltladens in Alsfeld, Gerd Heylmann und die vier Schülerinnen Patrizia Luft, Elisabeth Böcher, Natascha Fischer und Sandra Wagner.
Nachdem wir uns Januar 2010 zum ersten Mal getroffen haben wurden in vielen weiteren Sitzungen organisatorische und inhaltliche Schwerpunkte bearbeitet und sich natürlich eingehend mit dem Land Ghana befasst.
Ghana liegt in Westafrika am Golf von Guinea. Das Land ist geteilt in tropische Regenwaldgebiete und in Savanne. Durch diese Unterschiede im Klima hat Ghana eine artenreiche Flora und Fauna. Wirtschaftlich bedeutend ist Ghana durch den Reichtum an Rohstoffen, exportiert werden u.a. Gold, Edelholz, Kakao, Ananas,…
Am 1. Oktober war es nach neun Monaten Vorbereitung endlich soweit: Bis auf die Zähne bepackt mit Gastgeschenken, möglichst dünnen aber trotzdem langen Klamotten und Medikamenten begann unsere Reise. Von Frankfurt aus flogen wir nach Rom, um dort in das Flugzeug in Richtung Accra umzusteigen. Nach sechs Stunden Flug und einem Stopp in Lagos kamen wir gegen 22 Uhr ghanaischer zeit in Accra an. Dort wurden wir gleich von einer Mitarbeiterin des VTF (Vocational Training For Females), ein christliches Bildungswerk, das u.a. unsere Partnerschule unterstützt, Linda Agyei und unserem Fahrer Rahim begrüßt. Unser Gepäck wurde gleich in den Kleinbus eingeladen, der für die nächsten drei Wochen unser Fortbewegungsmittel sein sollte und wir fuhren in unsere erste Unterkunft.
Den nächsten Tag besuchten wir das National Museum in Accra um einen ersten Einblick in Ghanas Kultur zu erhalten. Außerdem besuchten wir die Shai Hills, ein Wildtierreservat, zu Gesicht bekamen wir tatsächlich einige Affen und aus einiger Entfernung eine Antilope. Der Ranger führte den Weg durch den Park über holprige, schlammige Wege und man fragte sich schon an diesem ersten Tag, wie der Bus das aushält. Wir konnten uns eine Berghöhle, die früher als Versteck für Frauen und Kinder genutzt wurde, ansehen und die heute noch ein Heiligtum für die Anwohner darstellt. An diesem eindrucksvollem Ort leben heute nur noch Fledermäuse. Den Abend haben wir mit gutem Essen und ghanaischem Bier, „Star-Beer“ ausklingen lassen.
Den darauf folgenden Tag besuchten wir die Boti-Falls, zwei beeindruckende, 35 m hohe Wasserfälle und die Aburi Gardens, einen botanischen Garten in dem man einige tropische Gewächse und Tiere, die von diesen angezogen werden, bestaunen kann. An diesem Tag erlebten wir unseren ersten (aber nicht letzten) tropischen Regen, der eine angenehme Abwechslung zur ständigen Hitze darstellte.
Ab jetzt fingen auch die ersten wichtigen Treffen an. Wir trafen die Leitung der Presbyterianischen Kirche, die uns über ihre Arbeit im Bereich Bildung und Gesundheitswesen informierten. Im Zuge der Millenniumsziele der Vereinten Nationen wurde nämlich u.a. die Kindergartenpflicht für Kleinkinder und kostenfreie Besuche der ersten drei Schulformen erreicht. Danach trafen wir einige Mitarbeiter des VTF, wo wir herzlich begrüßt wurden. Wir erfuhren einiges über die Tätigkeiten des VTF, deren Hauptaufgaben sind, Schulen zu unterstützen und Lehrgänge und Fortbildungen durchzuführen.
Nachmittags trafen wir noch eine Mitarbeiterin der Friedrich-Ebert-Stiftung, eine Deutsche, die in Accra lebt und arbeitet. Sie erzählte uns, dass die FES in Ghana vor allen dingen junge Politiker in der Ausbildung unterstützt, bei Gesetzesentwürfen hilft und demokratische Wahlvorgänge absichert.
Nach diesem interessanten Tag besuchten wir die Bomarts-Farm, eine Ananas Plantage auf der nach Fairtrade-Kriterien gearbeitet wird. Nach einer chaotischen, holprigen Fahrt konnten wir uns die verschiedenen Stadien der Ananas Pflanzung ansehen und erfuhren einiges über den Fairen Handel, ein weiters Arbeitsthema unserer Reise. Farmen, die unter Fairtrade-Bedingungen arbeiten, bekommen höhere Löhne für die Arbeiter, als der Weltmarkt zahlt. Außerdem gibt es einen Fairtrade-Zuschlag, der für soziale Projekte genutzt werden kann. In diesem Fall wurden Schulen und eine öffentliche Toilette gebaut und in Stand gehalten, um die Hygiene zu verbessern und das Grundwasser zu schonen.
Auf dem Weg zum nächsten Zwischenstopp Begoro besuchten wir eine Werkstatt, die in Handarbeit aus alten Glasflaschen Perlen herstellen und diese zu Schmuck verarbeiten. Mit erheblich geleerten Geldbeuteln fuhren wir weiter zum Voltasee Staudamm, der Teile von Ghana und angrenzende Länder mit Strom versorgt.
Nach der Nacht in Begero und unserem ersten längeren Stromausfall reisten wir weiter nach Duayaw Nkwanta an unsere Partnerschule, wo wir die nächsten sieben Tage verbrachten.
In dieser Zeit schlossen wir Freundschaften mit den Schülerinnen und lernten viele Menschen im Dorf kennen. Durch die Schulleiterin Christiana Boateng konnten wir die Queen Mother, die traditionelle Leiterin des Ortes, die sich hauptsächlich mit den Belangen der Frauen auseinandersetzt und den District Chief, eine Art Bürgermeister treffen. Für uns wurde eine Willkommensfeier organisiert, wo uns viele Menschen begrüßt und mit uns gefeiert haben. Außerdem konnten wir die Schule näher kennen lernen und u.a. mit beim Batikunterricht teilnehmen. Uns wurde das Krankenhaus in Duayaw Nkwanta gezeigt und eine Gesundheitsstation bei Sunyani. Einige von uns besuchten weiterhin mehrere Schulformen in Duayaw Nkwanta. Außerdem hatten wir die Möglichkeiten zu zweit verschiedene Familien im Ort zu besuchen, wo wir viel über das Leben der Menschen im Dorf erfahren konnten.
Wir besuchten einen Gottesdienst, was ziemlich ungewohnt war im Vergleich zu Deutschen Gottesdiensten, in fast vier Stunden wurde viel Musik gespielt, gesungen und getanzt. Außerdem gab es mehrere Spendendurchgänge und die Frauen waren in ihre besten, farbenprächtigsten Gewänder gekleidet. Die Zeit in Duayaw Nkwanta war eine sehr schöne Zeit, die Menschen die wir trafen begrüßten uns herzlich und als am 14.10. der Abschied kam, waren alle etwas traurig.
Auf dem Weg in Richtung Kumasi besuchten wir eine Kakaofarm, ein Projekt des ECASARD, eine Organisation, die Arbeiter im Agrarbereich unterstützt. Dort haben sich die Farmerinnen zu einer Art Gewerkschaft zusammengeschlossen, um bessere Löhne für ihre Arbeit zu bekommen. Wir konnten hier die verschiedenen Stadien der Kakaopflanzung mitverfolgen und außerdem dabei zusehen, wie aus Kakaoschalen Seife hergestellt wird. Diese verkaufen die Frauen noch nebenher, um Bonuseinkünfte zu bekommen.
In Kumasi trafen wir Dr. Nyamekye, ein Arzt, der in Russland und Deutschland studiert hat und jetzt in Kumasi eine Klinik aufbaut. Für diese hat er in den beiden Ländern Sachspenden gesammelt, u.a. Maschinen und Betten. Wir entwickelten alle großen Respekt vor der Zielstrebigkeit, mit der er seinen Traum umsetzt und wir freuten uns diesen vorbildlichen Menschen kennen gelernt zu haben.
Wir waren weiterhin eingeladen uns die Fortschritte des Baus des Lehrerfortbildungszentrums
PRECEVID in Kumasi anzuschauen, welches bei der letzten Partnerschaftsreise schon besucht wurde. Dieses Projekt wird größtenteils vom Evangelischen Entwicklungsdienst finanziert. Die Ghana-Neulinge unter uns durften im Garten des Geländes Zimtbäume pflanzen, die Anderen suchten ihre Bäumchen vom letzten Mal.
Die nächste Etappe unserer Reise führte uns an die Küste Ghanas, die bis heute noch bekannt für ihren Goldabbau ist. Auf dem Weg dahin besuchten wir ein weiteres ECASARD Projekt, eine Ölpalmenfarm. Hier herrschten unangenehme Arbeitsbedingungen, Hitze durch offenes Feuer und schlechte Luft. Außerdem arbeiteten die Frauen alleine, nicht in einer großen Gruppe, wie auf der Kakaofarm, die wir vorher sahen.
Nach unserer ersten Nacht im Anomabo Beach Resort (kleine Hütten am Strand!)
besuchten wir CRAN, eine Organisation, die Mikrokredite an Arbeiter vergibt. Wir wurden informiert über die verschiedenen Kreditarten. z.B. können Arbeiter zu Beginn eines neuen Schuljahres einen Mikrokredit aufnehmen, um die Schulsachen für ihre Kinder zu bezahlen.
Danach besuchten wir St. George's Castle in Elmina, hier wurden zu Kolonialzeiten Sklaven eingesperrt um dann nach Europa geschickt zu werden.
Außerdem fuhren wir in den Kakum National Park, wo man auf bis zu 40m hohen Hängebrücken einen eindrucksvollen Blick über den Regenwald bekommen kann. Bei uns spielte leider das Wetter nicht so mit, gleich nach der ersten Brücke fing es an zu regen (was in Ghana soviel bedeutet, wie aus Eimern schütten). Jene, die mutig genug waren weiter zu gehen, kamen bis auf die Haut durchnässt zurück.
Nachdem wir unseren letzten Nachmittag am Strand genossen haben ging es am nächsten Tag zurück nach Accra. Hier stand das Auswertungstreffen mit dem VTF an. Zusammen mit den Mitarbeitern besprachen wir unsere Reise und das zukünftige Miteinander.
Am Freitag waren wir dann zur Abschiedszeremonie eingeladen. Es wurde viel Dank ausgesprochen, Geschenke verteilt und wir verabschiedeten uns voneinander.
Nach ein paar letzten Besorgungen in der Stadt fuhren wir an den Flughafen, wo unsere Zeit in Ghana anfing und letztendlich endete.
Eine Zeit, die uns sicherlich in Erinnerung bleiben wird, da wir viele eindrucksvolle und schöne Momente hier erleben konnten. Außerdem hatten wir die Möglichkeit viele dieser netten, gastfreundlichen, offenen Menschen kennen zu lernen, die dieses Land prägen.
In zwei Jahren wird es vielleicht wieder eine Gruppe geben, die dieses Land näher kennen lernen wird. Ich würde allen Neugierigen empfehlen diese Chance zu nutzen, da diese drei Wochen eine sehr lehrreiche und prägende Zeit für mich waren.
Sandra Wagner