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2010

Religionskurse der Max-Eyth-Schule stellen sakrale Arbeiten in der Sparkasse aus

Gemeinsam eröffneten Helmut Reitschky, Thomas Goß, Ute Groß, Aegidius Kluth, Darija Mischin und Hannah Eiben (von links)

die Vernissage.

Oberhessische Zeitung vom 26.04.2010

 

"Was ist mir heilig?" - "Wo begegnet mir Gott?" - "Wo ist Gott bei mir?" - Diese Fragen stellten sich im Januar 32 Schüler der evangelischen und katholischen Religionskurse der Jahrgangsstufe 13 des Beruflichen Gymnasiums der Max-Eyth-Schule gemeinsam mit ihren Lehrern Ute Groß und Aegidius Kluth.

 

Doch bei der theoretischen Auseinandersetzung mit der Gottesfrage sollte es nicht bleiben: Es entstand die Idee von einem Kunstprojekt und mit ihr der Impuls die Schule zu verlassen und mit den Künstlern Kristina Fiand und Ernst Groß auf dem Kunst- und Werkhof Großropperhausen einen Workshop zu veranstalten, in dem es gelingen sollte, mit dem Gottesbegriff zu arbeiten und der Bedeutung dieser Frage für das eigene Leben einen künstlerischen Ausdruck zu verleihen.

Die Ergebnisse dieses intensiven Wochenendes im verschneiten Knüll präsentierten die Schülerinnen und Schüler gemeinsam mit ihren Lehrern und den Künstlern nun der Öffentlichkeit. Zur Ausstellungseröffnung in dem Schalterraum der Alsfelder Sparkasse begrüßte sie Vertriebsdirektor Thomas Goß. Daneben waren zahlreiche Vertreter der kirchlichen Gremien zur Vernissage erschienen, darunter Dekan Dr. Jürgen Sauer vom Evangelischen Dekanat und Dekan Jerzy Dmytruk vom Katholischen Dekanat.

Für die Max-Eyth-Schule dankte der stellvertretende Leiter Helmut Reitschky der Sparkasse für die Plattform, mit der sie den Schülern ermögliche, ihre Gedanken darzustellen und auch Einblicke in das schulische Leben und Arbeiten zu geben. "Schule findet nicht mehr nur in der Schule statt", so der Studiendirektor, der auch den Künstlern dankte, die sich auf die Schüler eingelassen haben. Den Schülern selbst gebühre für ihre Arbeit großes Lob und Anerkennung.

Ute Groß präsentierte den Gästen der Vernissage das Projekt aus Sicht der Religionslehrer: Eine ganz persönliche Auseinandersetzung der Schüler mit dem Gottesbegriff sei gelungen. Neben der theoretischen Vertiefung sei die künstlerische Seite der Schüler zum Ausdruck gekommen. In zwei Gruppen - die eine arbeitete mit dem Werkstoff Holz an dem Kreuzbegriff, die andere mit Materialien aus dem Alltag an einem Schrein - haben sich die jungen Menschen ihrer ganz eigenen Bedeutung der Begriffe angenähert.

Für die Schüler sprachen Hannah Eiben und Darija Mischin über den Workshop und dessen Ergebnisse. Ziel sei es gewesen, Kunst und Religion zu verbinden. Besonders das praktische Arbeiten hätten sie als sehr interessant und bereichernd empfunden. Die positiven Eindrücke, die der gemeinsame Workshop ganz offensichtlich hinterlassen hat, waren besonders bei den Ausführungen der beiden Schülerinnen fast greifbar, so nachdrücklich und begeistert schilderten sie die Zeit und die Arbeit in Großropperhausen. Auch die Künstler, für sie das erste Schulprojekt mit religiösem Kontext, zeigten sich beeindruckt von den Leistungen der Schüler: Als ungewöhnlich stark hat Kristina Fiand den Glauben der jungen Menschen wahrgenommen, als äußerst offen ihren Umgang mit dem Thema und dem Bezug zum eigenen Leben.

Fotos und Infotafeln dokumentieren zu Beginn und während des Rundgangs den Schaffensprozess und erklären die Intension des Projekts. Viele der Bilder vermitteln einen tiefen Eindruck von der guten Atmosphäre und der Begeisterung, die den Workshop zu bestimmen schienen.

Der Schrein, Möbelstück zur Aufbewahrung kultischer und heiliger Gegenstände, wurde in der Kunstgeschichte immer wieder interpretiert. Die Schüler der Max-Eyth-Schule fanden ihre ganz eigenen Zugänge: Zunächst gestalteten sie Schreine aus Streichholzschachteln und verarbeiteten dazu Glückskeksbotschaften. Danach bauten sie ihre ganz eigenen Schreine und verwendeten die unterschiedlichsten Materialien: Holzrahmen, Knöpfe, Murmeln, Fotos, Noten, Schriftzüge, Perlen, Federn.

Die Aussagen und die Symbole der einzelnen Werke treffen auf beeindruckende Art und Weise das Lebensgefühl der sich in Zeiten des Umbruchs befindenden Menschen: Der Workshop fand kurz vor den schriftlichen Abiturprüfungen statt, die Ausstellung nun kurz vor den mündlichen. Die Schreine zeugen von Angst vor oder Erwartungen an die Zukunft, sie verarbeiten Vergangenheit und Gegenwart. "Sie sollen die Schüler auch durch diese intensive Zeit begleiten", erläuterte Aegidius Kluth, "es gibt neben dem Lernen und der Bedeutung der Prüfungen etwas, das uns trägt."

Dieser Glaube drückt sich in vielen Religionen in dem Symbol des Kreuzes aus. Doch auch dieses kann auf viele unterschiedliche Weisen interpretiert werden und so stellen die Arbeiten der Abiturienten mit Ernst Groß auch ganz unterschiedliche Ausführungen von Kreuzen dar: die ganz deutliche klassische Form, mit Herzen, mit Draht oder Leder umwickelt, ein kleines Kreuz auf einen winzigen Holzfleck gemalt oder in eine Brotkruste geschnitzt - Kreuze als Bilder, Skulpturen oder Schmuck.

Die Ausstellung ist noch bis 7. Mai zu den Öffnungszeiten der Sparkasse zu sehen.