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2010

Griechenlands Krise macht's spannend

„Wofür ist Europa zuständig?“ Referent Krakowiak diskutiert mit Schülern.

Aktionstag zum Thema "Europas Zukunft nach dem Vertrag von Lissabon" an der Max-Eyth-Schule - Diskussionen

 

Oberhessische Zeitung vom 08.05.2010

ALSFELD (aep). Als wär's für die Schüler geschehen, derart passend kam die Finanzkrise Griechenlands jedenfalls gestern für den Aktionstag der Max-Eyth-Schule. Denn dort beschäftigten sich Elftklässler intensiv mit der "Zukunft Europas nach dem Vertrag von Lissabon", und dieses Thema - bei Jugendlichen sonst so populär wie ein Auftritt von Heino - bekam plötzlich auch für die Schüler spannende Facetten. Da gab's etwas zu diskutieren und prompt kamen unterschiedliche Ansichten über Hilfe oder nicht für die Hellenen zutage - die Referenten genossen unerwartet große Aufmerksamkeit.

 
Einen kompetenten Partner hatte Ralf Fey als zuständiger Lehrer für den Aktionstag im Rahmen der "Europawoche" an der Europaschule gewinnen können: den in Berlin ansässigen und vom Bundesfamilienministerium unterstützten Verein "Bürger Europas", zu dessen Programm auch die Vermittlung des europäischen Geistes für junge Menschen gehört. Der Verein sandte drei Referenten nach Alsfeld, die neben Informationsmaterial quasi zum Anfassen auch jede Menge Europa-Wimpel mitbrachten. Mit denen konnten die Elftklässler des beruflichen Gymnasium dann fechten, winken oder gedankenvoll spielen, während das Programm sie durch den gehaltvollen Stoff führte.

Quasi als anschaulicher Vertreter des Themas war übrigens auch der Europa-Abgeordnete Dr. Udo Bullmann angekündigt worden. Doch Bullmann, der im Eröffnungsprogramm eine Gastrede hatte halten sollen, meldete sich am Abend zuvor ab: zu viel Termindruck. "Schade. Vielleicht hat das ja auch etwas mit Griechenland zu tun ", bedauerte Lehrer Fey die Absage.

In drei unterschiedlichen Workshops näherten sich die 82 jungen Teilnehmer dem eigentlich trockenen, aber aufgrund der Aktualität und auch der vielseitigen Präsentation doch diesmal offenbar ansprechenden Thema. Zum Beispiel maßen sich die Teilnehmer der einen Gruppe in einem interaktiven Quiz via Internet und Smartboard mit Schülern einer Europaschule in Aschersleben und ermittelten, wer den besseren Kenntnisstand über Europa hat.

Dieses Quiz, so erklärte Referent und Spielleiter Arne Fellermann vom Verein "Bürger Europas" anschließend, sei eigentlich für viel größere Aktionen ausgelegt: nämlich interaktive Spiele zwischen vielen Europaschulen gleichzeitig. Für den Aktionstag der Max-Eyth-Schule genügte der Kontakt zu Schülern einer einzigen Schule. Doch den jungen Leuten bereitete diese Art, Wissen und Bewusstsein zu vermitteln, sichtlich Spaß. "Welches Land ist am wenigstens abhängig?", lautete eine Frage - auf Dänemark kam kaum jemand. Oder: "In welchem Land herrscht am längsten Frieden?" Der Tip lautete auf "Schweiz", "Schweden" war richtig.

Keinen Tipp wussten die Jugendlichen bei einer Frage, die wahrlich spezielles Wissen voraussetzte: "In welcher Stadt befindet sich das Europäische Zentrum für Berufsbildung?" Aber auch die Mitspieler vom Team "B" kamen nicht auf Thessaloniki. Gejohle bei der Sportfrage nach dem Torschützenkönig der Fußball-EM 2008: David Villa aus Spanien. "Aber mehr Sportfragen kommen nicht", bremste Spielleiter Fellermann die Spielfreude. Am Ende könnte das Alsfelder Team knapp gewonnen haben - oder vielleicht doch nicht? Das Ergebnis roch eher nach Gleichstand. Ein kurzer Chat mit dem gegnerischen Team zur Abrundung des Internet-Spiels und ab in die Pause und das nächste Seminar, das eine andere Gruppe gerade parallel absolviert hatte.

Zum Beispiel mit dem Referenten Christoph Krakowiak, ebenfalls von "Bürger Europas". Er hatte die ungleich schwierigere Aufgabe, die jungen Leute über einen Vortrag mit Diskussion für Europa zu begeistern. "Wofür ist Europa denn zuständig?", tastete er sich durch das Wissen der Schüler. Während die Liste richtiger Antworten wuchs, tat sich zum Thema "Umweltschutz" auch eine echte Lücke auf: "Da war doch was mit dem lecken Bohrloch", rief eine junge Dame aufs Geradewohl. Ja, antwortete der Referent diplomatisch. Da war was. Aber das Leck liege doch eher in der Zuständigkeit der USA.

Apropos Leck - so etwas hat auch Europa zu bieten: ein finanzielles. Die Jugendlichen zeigen, dass sie sich informieren und steuern ihre Meinung zur Diskussion bei. Das Dilemma, an dem auch Deutschlands Regierung schwer zu knabbern hat, wies der Beitrag einer Schülerin auf, die erklärte: Natürlich solle Griechenland geholfen werden - es gehe schließlich um alle Europäer. Aber warum ausgerechnet von Deutschland: "Wir haben doch auch Schulden!"