Alsfeld (oz). Im Rahmen des Europaprojekts "Holocaust - eine geschichtliche Erkundung" haben 70 Schüler der Max-Eyth-Schule Alsfeld die Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald bei Weimar besucht. Nach einem halbstündigen Informationsfilm wurde die Gedenkstätte in kleinen Gruppen begangen. Die Jugendlichen zeigten sich beeindruckt und erschüttert von den unglaublichen Verbrechen, für die dieses Mahnmal steht:
Im Konzentrationslager Buchenwald wurden in der Zeit von 1937 bis 1945 zehntausende Menschen aus fast allen europäischen Nationen durch staatliche deutsche Behörden interniert, zu Zwangsarbeit getrieben und ermordet. Unter ihnen waren Partisanen, Widerstandskämpfer, Kriegsgefangene und willkürlich aus ganz Europa hierhin Deportierte. Sie verloren alles, was bisher ihre Persönlichkeit und ihre äußere Erscheinung geprägt hatte. Sie wurden geschoren, nummeriert, nach Gruppen gegliedert und mit verschiedenen Stoffdreiecken gekennzeichnet. Name, Beruf und soziale Herkunft unterlagen einer vollständigen Entwertung. Vor allem Juden, Sinti und Roma, später auch sowjetische Kriegsgefangene, lebten in permanenter Todesgefahr.
Als sich Anfang April 1945 die Front dem Lager näherte, befanden sich 48 000 Menschen in dem 40 Hektar großen Häftlingslager. In letzter Minute trieb die SS mehr als die Hälfte von ihnen auf Evakuierungsmärsche. Für viele wurde es der letzte Weg. In diesen Tagen versuchte die Widerstandsorganisation des Lagers den Abmarsch der Kolonnen zu verzögern. Hunderte, darunter viele Juden, konnten versteckt werden. Die Widerstandsgruppen warteten nicht passiv auf die herannahenden Befreier, sondern nutzten den ersten Augenblick ihrer Präsenz im noch umkämpften Gebiet, um die Wachtürme zu besetzen, die weiße Fahne zu hissen und das Lager für zwei Tage zu sichern. Mehr als 21 000 Menschen befanden sich am 11. April beim Erscheinen der Panzer der 3. US Armee im Lager. Bei einer Trauerfeier am 19. April für die Toten des Konzentrationslagers Buchenwald, nach ersten Zählungen 51 000, wurde in russischer, polnischer, tschechischer, englischer, französischer und deutscher Sprache eine von den politischen Häftlingen verfasste Deklaration verlesen, die als Schwur von Buchenwald um die Welt ging. Für viele Schüler war das Thema Holocaust zwar nicht neu - und doch waren die Eindrücke und Informationen, die sie in der Gedenkstätte sammelten, ein wichtiger Anstoß, sich intensiver auf dieses weltgeschichtlich einmalige Verbrechen einzulassen und falsche Informationen dazu zu revidieren.