Rund 20 km trennen unsere Schule von der Vogelsbergschule Lauterbach
Pressespiegel: Oberhessische Zeitung vom 03.07.2007
VOGELSBERGKREIS (gl). Intensiv hat sich der Vogelsberger Kreistag gestern mit der Situation der beiden Berufsschulen befasst. Einig waren sich die Fraktionen darin, dass die beiden Standorte in Lauterbach und Alsfeld erhalten bleiben sollen. Landrat Rudolf Marx berichtete, dass in der Kreisverwaltung derzeit ein Konzept erarbeitet wird, mit dem die beiden Schulstandorte abgesichert werden sollen. Deshalb lehnte die Koalition einen Antrag der Grünen ab, durch den der Kreisausschuss mit Verhandlungen mit dem Kultusministerium beauftragt werden sollte, um die beiden Berufsschulen mit jeweils eigener Leitung zu erhalten.
Anlässlich eines Grundsatzgespräches des zuständigen Referenten für Berufsschulen aus dem hessischen Kultusministerium, Dr. Berthold, mit dem Landrat und dem Schuldezernenten wurde von den Vertretern des Ministeriums darauf hingewiesen, dass zukünftig durch rückläufige Ausbildungszahlen in verschiedenen Berufsfeldern und durch auch in den Berufsschulen rückläufige Schülerzahlen sowie durch Veränderungen in der immer mehr globalisierten Arbeitswelt in den nächsten Jahren ganze Angebotszweige der Vogelsberger Berufsschulen weg brechen könnten.
Das Kultusministerium, Marx und Schuldezernent Diening legen aber großen Wert darauf, "dass in einem Flächenkreis wie dem Vogelsberg auch zukünftig zwei Berufsschulstandorte erhalten werden. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass die Angebote der beiden Berufsschulen besser als seither aufeinander abgestimmt und einzelne Fachbereiche möglichst auf einen Standort konzentriert werden", berichteten der Landrat und der Schuldezernent in der Kreistags-Debatte.
Dem Vogelsbergkreis wurde laut Diening dringend empfohlen, diese Problematik schnellst möglichst anzugehen. Als ein gelungenes Beispiel für eine sinnvolle Organisation wurde auf ein im Landkreis Waldeck-Frankenberg gebildetes Kompetenzzentrum berufliche Bildung hingewiesen, das aus mehreren Standorten, aber nur mit einer Schulleitung besteht. Ähnliche Überlegungen laufen derzeit auch in anderen Schulträgerbereichen, etwa im Wetteraukreis.
Um zu vermeiden, dass ohne Einfluss des Schulträgers bestimmte Angebote an den Berufsschulen - dies gilt laut Landrat in erster Linie für den Standort Lauterbach - durch eine nicht mehr sicherzustellende Lehrerversorgung geschlossen werden müssen, wie dies jetzt bei den Friseuren der Fall ist, hat Marx in Abstimmung mit Schuldezernent Diening eine Arbeitsgruppe einberufen, die alle diese organisatorischen Möglichkeiten für die Zukunft prüfen soll. Die Arbeitsgruppe läuft unter der Federführung des Staatlichen Schulamtes unter Beteiligung des Schulverwaltungsamtes und der Schulleitungen der beiden Berufsschulen. "Bereits die ersten Gespräche haben gezeigt, dass bei beiden Schulleitungen durchaus die Bereitschaft zu mehr Konzentrationen besteht und es hier auch noch Möglichkeiten gibt; Bedenken gibt es allerdings gegen eine gemeinsame Schulleitung."
Dies alles soll zunächst ergebnisoffen geprüft werden mit der Zielrichtung, dass bis Anfang nächsten Jahres ein Konzept vorliegt, das dann in den Kreisgremien beraten und beschlossen werden muss.
Die Grünen meinten zur Begründung ihres Antrags, der Kreis müsse auch aus strukturpolitischen Gründen für den Bestand der beiden Schulen kämpfen. "Wir müssen uns offensiv gegen einen Flächenbrand wehren", betont Cornelia Bothe für die Fraktion. Auch aus Rücksicht auf die Schüler dürften keine Mammutschulen geschaffen werden.
Landrat Marx wies die Kritik der Grünen am Verhalten des Kreisausschusses zurück. Genau wie Diening betonte er, es gebe keine Geheimverhandlungen mit dem Land, sondern eine ergebnisoffene Arbeitsgruppe. Marx machte aber auch deutlich, dass man angesichts der demografischen Entwicklung "nicht alles erhalten" könne. Um so wichtiger sei es, Konzepte zu erarbeiten.
Für die SPD meinte Karl Heinz Krug, es dürfe nicht um Rückzugsgefechte bei den Schulen gehen, sondern um klare Perspektiven für Eltern und Schüler. Der Sparkurs der Landesregierung dürfe nicht zu Lasten der Vogelsberger Infrastruktur gehen.
Quelle: Oberhessische Zeitung vom 03.07.2007