Pressespiegel (Oberhessische Zeitung vom 27.06.2007)
ALSFELD (maw). Seit Montag findet in Alsfeld das Hessische Schul-Theater-Treffen statt. Dazu sind die Aulen der beiden Alsfelder Gymnasien mit Bühnen, Laienschauspielern und begeisterten Zuschauern besetzt. Eine große Veranstaltung mit vielen Beteiligten. Aber wie viele nichtbetroffene Schüler wissen eigentlich über dieses große Ereignis Bescheid? Einblicke geben Aufschluss über den Theater-Betrieb. In der Aula probt die Schillerschule Lampertheim ihr Stück "Mozart!", von der Aufregung dringt nichts nach außen. Draußen stehen einige Schülerinnen der ASS im Nieselregen. Vom Hessischen Schul Theater Treffen (HSTT) haben sie noch nicht wirklich viel mitbekommen. Nadja Lotz und Sina Karabas haben nur die Kinder im Gebäude rumlaufen sehen, sonst sind sie aber relativ unbeteiligt. Eine Freundin der beiden, Michelle Michalsky stößt zu der Gruppe. Sie schlägt vor, sich das nächste Stück anzusehen.
Michelle hat nämlich eines der Programmheftchen studiert und weiß, dass nun "Mozart!" aufgeführt werden soll. Als die Schillerschule Lampertheim später die Lebensgeschichte Wolfgang Amadeus Mozarts darstellt, sitzen im Publikum eben diese Mädchen, die gerade noch im Regen standen. Sie gehören zu den wenigen Schülern der Gymnasien, die sich bisher Aufführungen angeschaut haben.
Das ist schade. Aber hauptsächlich für diejenigen, die nicht da waren. Die Aula war auch so immer gut besetzt. Wer nicht da war hat tatsächlich einiges verpasst. Etwa die Inszenierung des Stückes "Buntgemischt" der MPS Hohe Rhön Hilders. Das Stück bewegte sich am Rande des Abstrakten. Verschiedene Stereotypen wurden durch Musik, Kleidung und Aussprüche dargestellt. So trat etwa eine ganz vornehmer aber auch arroganter Schlag Mensch ganz in "goldgetupft" auf, um sich zur Querflöte zu bewegen und alles in ein künstliches "entzückend" oder "entsetzlich" einzuteilen. Jeder der Stereotypen wurde in einer Szene zum Außenseiter.
Plötzlich war die ganze Welt "blaukariert" oder "braungefleckt" oder "grüngewellt". Wenn nun ein "Goldgetupfter" in einer "braungefleckten" Welt lebt sind die Konflikte vorprogrammiert. Tatsächlich wirkten die Braungefleckten, die übrigens ausschließlich von Jungs besetzt waren, sehr bedrohlich.
Das ängstliche "Entsetzlich!" der "Goldgetupften" war also nachvollziehbar. Der Konflikt der "Unterschiedlichgemusterten" wurde dann durch die "Buntgemischten" gelöst. In einer unheimlich putzigen Szene entwickelten sie einen Plan - völlig ohne Sprache zu verwenden - die zerstrittenen Parteien so sehr zu verwirren, dass die Welt am Ende buntgemischt war. Das Stück erntete viel Applaus.
Auch Elena Gontscharow saß im Publikum und war begeistert von der schauspielerischen Leistung der Grundschüler. Die Abiturientin konnte sich vor Lachen kaum noch halten, als die "Braungefleckten" ihre gegrölten Dialoge vortrugen und die Bösen mimten. Elena Gontscharow und Lorenz Becker haben beide in der AG Darstellendes Spiel von Max-Eyth- und Albert-Schweitzer-Schule mitgespielt. Beim HSTT sind sie als Helfer unterwegs. Lorenz ist zum Saalordner geworden, während Elena sich als "Mädchen für Alles" bezeichnet und überall mithilft.
Am Dienstag reißt sie mit Lorenz zusammen Karten ab, am Montagabend hat sie nachdem "Buntgemischt" gespielt wurde die Aula der ASS gekehrt. Beide sind völlig begeistert von den HSTT. Elena findet die Organisation zwar teilweise chaotisch, aber diese Art von Chaos, meint sie, sei durchaus sympathisch. Besonders eingenommen ist sie von den Kindern, von denen bisher jede Theatergruppe auf ihre eigene Art gut war.
Das Problem sei, so beteuert Lorenz, dass die Gruppen automatisch im Vergleich stehen. Aber die beiden konnten bisher jeder Aufführung etwas abgewinnen, so auch dem Leben von "Mozart!". Besonders schön hieran war, dass die Kinder die Möglichkeit hatten Talente unter Beweis zu stellen, die außerhalb der Schauspielkunst liegen.
Quelle: Oberhessische Zeitung vom 27.06.2007