Jugendliche haben bekanntlich ein ungezwungenes Verhältnis zu Computer und Internet, während die ältere Generation diesen neuen Kommunikationsmitteln oft skeptisch gegenüber steht. Rosi Schmitt, Lehrerin an unserer Schule, will die Unbekümmertheit und die bereits erworbenen Kenntnisse ihrer Schülerinnen und Schüler für den Generationendialog nutzen. Deshalb rief sie mit ihrer Klasse 10 GJK das Projekt "Generationenlernen" ins Leben. Hier werden Einsteiger in der Altersgruppe 60 plus an Computer und Co. heran geführt.
Bereits der erste Kurs im Januar 2007 verlief sehr zur Zufriedenheit aller Beteiligten. Das Lehrer-Schüler-Verhältnis von 1:1 ermöglichte eine intensive Betreuung bei den ersten Schritten am PC und im Internet. Die Teilnehmerinnen und Teilnehmer konnten jederzeit Fragen stellen und erhielten Hilfe und Sicherheit bei der Lösung von Problemen. Mit speziellen Aufgaben, welche der Zielgruppe angepasst waren, lernten die Senioren mit dem PC umzugehen und das Internet für ihre Interessen zu nutzen. Die Schülerinnen und Schüler holten Preise von Waschmaschinen und Druckern in Alsfelder Geschäften ein und ließen die Senioren dazu einen Internetpreisvergleich durchführen. Weiterhin planten sie Kurzreisen, richteten sich eine E-Mail-Adresse ein, versteigerten bzw. ersteigerten Artikel bei ebay und lernten verschiedene Internetapotheken kennen. Dabei stellten sie fest, dass man auch in diesem Alter noch sehr gut lernen kann, mit den neuen Kommunikationsmitteln umzugehen.
Frau Schmitt berichtet, dass es zu Beginn des Projekts auf beiden Seiten Zweifel gab. Die Schüler äußerten Bedenken, sie könnten sich den Senioren nicht verständlich machen, während die Senioren befürchteten, die Schüler nicht zu verstehen. Diese Befürchtungen erwiesen sich jedoch alle als unbegründet. Im abschließenden Resümee äußerten sich die Senioren wie folgt: "Wir haben eine Menge Fachbegriffe gelernt. - Das Beste war, dass jeder einen Schüler hatte, sonst wären wir verloren gewesen. - Die Schüler haben uns bei unseren Fragen nicht blöd angesehen, die haben uns ernst genommen. - Wir hatte das Gefühl, dass es nicht nur den betagteren Schüler Spaß gemacht hat, sondern auch den jüngeren. Die Erklärungen und Aufgabenblätter waren verständlich geschrieben. - Durch die schriftlichen Unterlagen konnte man jede Unterrichtsstunde zu Hause gut nachvollziehen." Und von den Schülern kamen u. a. folgende Aussagen: "Die Senioren wollten was lernen. - Die haben uns ernst genommen und haben sich Mühe gegeben. - Die Senioren haben gesagt, dass wir fit sind. - Es waren nette Leute, die richtig cool drauf waren. - Das hat Spaß gemacht. - Das kann man wieder einmal machen."
Resümee von Frau Schmitt: Die Schülerinnen und Schüler haben in diesem Projekt zur Abwechslung einmal die Sichtweise der Lehrenden kennen gelernt. Das gelernte Wissen hat sich durch die Weitergabe gefestigt. Gleichzeitig haben die jungen Menschen ihre sozialen Kompetenzen erweitert und konnten ein größeres Verständnis für die ältere Generation entwickeln. Viele der Jugendlichen waren stolz, wenn sie den Lernfortschritt ihrer Schüler beobachteten. Und das zu Recht. Schließlich ist es nicht leicht, alle Fragen richtig zu beantworten, zumal ein Großteil der Jugendlichen selbst gerade einmal mit den Grundlagen vertraut ist. Umgekehrt konnten die älteren Menschen die Jugendlichen besser kennen und verstehen lernen, sie durften Anteil nehmen an dem, was Jugendliche bewegt. "Besonders erfreut war ich darüber dass die Schüler aus dem Berufsgrundbildungsjahr ohne Vorurteile an die Sache heran gingen und zu solch einer Leistung fähig waren. Dass es den Jugendlichen aber so viel Spaß macht, dass sie sich selbst Aufgaben für die nächste Woche überlegten, damit habe ich nicht gerechnet", so die Initiatorin.
Da das Projekt bei den Seniorinnen und Senioren so gut angekommen ist und die Schülerinnen und Schüler sehr gut mitgearbeitet haben, findet noch in 2007 ein weiterer Kurs statt. Dabei ist geplant, dass immer zwei Schüler/innen der Klasse 10 BVJK als Paten für einen Senioren zur Verfügung stehen. Der Kurs wird ab dem 5. November bis zum 17. Dezember immer montags zwischen 9:15 Uhr und 11 Uhr im Raum 408 der Max-Eyth-Schule stattfinden. Ihre Ansprechpartnerin ist Frau Rosi Schmitt.
Quelle: R. Schmitt