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2007

Lebensbegleitendes Lernen im Vogelsberg

Partner in der Landesinitiative "hessencampus" - fünfzehn Thesen zur Ressource "Bildung"

Durch die Beteiligung des Vogelsbergkreises an der Landesinitiative "hessencampus" ist in den nächsten Jahren ein deutlich verbessertes regionales Bildungsangebot für Erwachsene zu erwarten. Neben der Volkshochschule des Vogelsbergkreises, der Vogelsbergschule Lauterbach und der Vogelsberg Consult GmbH ist auch unsere Schule regionaler Partner in diesem Netzwerk.

In einer Gesamtkonferenz am 21.03.2007 präsentierte Hans-Günter Oer, Leiter der vhs des Vogelsbergkreises, uns seine fünfzehn Thesen zur "Ressource Bildung":

  1. Die Teilhabe aller Menschen an Bildung ist ein Grundrecht und Voraussetzung für ein funktionierendes Gemeinwesen. Bildung kann in einer sich schnell wandelnden Welt nicht auf schulische Bildung reduziert werden.
  2. Bildung vollzieht sich nicht erfolgreich im freien Spiel wirtschaftlicher Kräfte. Sie gelingt nur, soweit das demokratische Gemeinwesen dafür Verantwortung übernimmt.
  3. Im Bereich des Übergangs von Schule zur Arbeit sowie in diskontinuierlichen Verläufen des Arbeitslebens (die heute der Normalfall sind) liegen die größten ungelösten Bildungsprobleme. (Anmerkung: Vielleicht ebenso groß sind die Probleme im Begreifen der globalisierten Welt und ihrer demokratischen Gestaltung).
  4. Computer und Internet haben die Verfügbarkeit von Wissen grundlegend revolutioniert. Für Schule und Hochschule rückt die Vermittlung von Lernfähigkeit, Verstehen und Können in den Vordergrund.
  5. Für den Vogelsbergkreis sind die Probleme schon heute und noch mehr in naher Zukunft besonders groß.
    • Bei einer Untersuchung zur Zukunftsfähigkeit deutscher Städte und Landkreise schnitt der VBK im Kriterium „Anteil Hochqualifizierter an der Bevölkerung“ besonders schlecht ab.
    • Der Vogelsbergkreis hat nicht nur ein Defizit im Verhältnis der Geburten- zur Sterberate, sondern einen in Hessen einmalig hohen Faktor „Bildungswegzug“ im Altersbereich zwischen 18 und 25 Jahren.
    • Dem Vogelsbergkreis fehlt ein urbanes Zentrum, in dem sich Innovation im Austausch mit der „Peripherie“ üblicherweise entwickelt.
    • Die Defizite im öffentlichen Nahverkehr, vor allem am Abend und am Wochenende, stellen vor dem Hintergrund steigender Kosten für den privaten PKW ein gravierendes Defizit dar. Armen Menschen, älteren Menschen, kranken Menschen fehlt die für beruflichen Erfolg und Bildung notwendige Mobilität.
  6. Wenn die Bildungsaufgaben im Sinne der Zukunftsfähigkeit des Vogelsbergkreises und seiner Bewohner gelöst werden sollen, ist eine neue Qualität der Zusammenarbeit und Neustrukturierung unumgänglich. Mit den bisherigen Strukturen sind die Aufgaben schon heute, umso mehr in naher Zukunft nicht organisatorisch lösbar und nicht finanzierbar (zu weite Wege, zu kleine Gruppen, zu wenig Steuerung und Organisation).
  7. Vor diesem Hintergrund bietet die Initiative der Hessischen Landesregierung zum Aufbau von „Zentren Lebensbegleitenden Lernens“ einen interessanten Anreiz, sich mit den genannten Aufgaben zu befassen. Es geht dabei um neue Qualitäten der Kooperation zwischen Beruflichen Schulen, Volkshochschulen, Schulen für Erwachsene und weiteren Bildungseinrichtungen. Dabei soll auch die Frage neuer betriebsförmiger Einheiten erörtert werden.
  8. Das Land Hessen hat diese Ziele im Jahr 2006 in einer Novellierung des Hessischen Weiterbildungsgesetzes erstmalig gesetzlich definiert. In einem ersten Projektstadium im Jahr 2007 werden dazu die ersten Schritte getan.
  9. Der Vogelsbergkreis ist an diesem ersten Projektstadium beteiligt – allerdings aus meiner Sicht in einer unglücklichen Konstellation mit Fulda und Bad Hersfeld als „ZLL Osthessen“. Der Kreisausschuss hat in einer Entschließung seinen Willen zur Mitwirkung bekundet und eine Entwicklungspartnerschaft begründet, die aus der Volkshochschule (federführend), der Max-Eyth-Schule Alsfeld, der Vogelsbergschule Lauterbach und Vogelsberg Consult GmbH besteht. Die Kooperation mit weiteren Partnern wird sinnvoll und notwendig sein.
  10. Die ZLL sollen sich in vier Dimensionen entfalten:
    • Die erwachsenen Lernerpersönlichkeit soll im Mittelpunkt stehen
    • Lebensbegleitendes Lernen erfordert eine Lernbiografie-Orientierung
    • Lehren und Lernen werden auf das Ziel „Lebensgestaltungskompetenz“ ausgerichtet
    • Anschluss und Zugang sind durch Lebensweltnähe zu sichern.
  11. Die genannten vier Dimensionen erfordern mit Sicherheit eine qualitativ neues System der Bildungs- und Lernberatung. Sie erfordern auch die Entwicklung höherer Verantwortlichkeit und Fähigkeit zu selbstständigem und selbstverantwortetem Lernen schon in der Schulzeit, vor allem aber danach.
  12. Das Erreichen der Ziele wird auch von der Schaffung neuer rechtlicher und organisatorischer Voraussetzungen abhängen. Ein Beispiel dafür ist die durch Verregelung verriegelte Situation für das Nachholen schulischer Abschlüsse im Erwachsenenalter.
  13. Die Entwicklungspartnerschaft für ein ZLL Vogelsbergkreis wird sich in den kommenden Wochen mit der Entwicklung von Konzepten befassen, die drei Integrationsebenen untersuchen:
    - pädagogische Integration
    - regionale Integration
    - organisatorische Integration
  14. Die Volkshochschulen stellen sich den Veränderungen im Bildungswesen offen und aktiv (Beschluss der Leiter-Konferenz am 01.03.2007).
  15. Für das Gelingen wird es neben der Arbeit der beteiligten Partner in hohem Maße auch auf das Engagement und die Glaubwürdigkeit der Politik ankommen.