Pressespiegel (Oberhessische Zeitung vom 24.08.2007)
LAUTERBACH (rla). Die aktuell diskutierte Zusammenlegung der Berufsschulen im Vogelsbergkreis sowie die Verlautbarungen, wonach die beiden Berufsschulen im Vogelsbergkreis künftig einen gemeinsamen Leiter erhalten sollen, hat Lauterbachs Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller zum Anlass genommen, sich mit einem persönlichen Brief an die hessische Kultusministerin Karin Wolff sowie an Landrat Rudolf Marx zu wenden.
Grundsätzlich stellt sich für Vollmöller die Frage nach den Konsequenzen. Der Bürgermeister verweist auf das Regierungsprogramm: "Auch im Schulbereich sollen Entscheidungen verstärkt vor Ort getroffen werden. Dadurch können Schulen besser ein eigenes Profil entwickeln. Die Schulen sollen im pädagogischen Bereich erweiterte Gestaltungsfreiräume erhalten. Voraussetzung ist, die Aufgaben der Schulleitung neu zu bestimmen. Sie soll zukünftig verstärkt das Personal an den Schulen aussuchen, mehr Personalverantwortung wahrnehmen und über eigene Budgets verfügen können. Auf mittlere Perspektive hin werden wir die Selbstverantwortung der Berufschulen unter gleichzeitiger Entwicklung der Berufsschulen als Weiterbildungszentren ausbauen, wobei die Weiterbildungsangebote der Berufschulen sich selbst tragen müssen." Vollmöller befürchtet, dass mit den "Modernisierungsschritten" schleichend eine Standortkonzentration eingeleitet und mittel- bis langfristig nur noch eine Berufsschule im Vogelsbergkreis existieren werde.
Nach Auffassung des Bürgermeisters ist für eine Berufsschule wie die in Lauterbach ansässige Vogelsbergschule mit annähernd 1500 Schülern eine eigene Schulleitung unabdingbar. Ähnliches dürfte für die Einrichtung in der Nachbarstadt gelten. "Es ist wichtig, das vorhandene Bildungsangebot aufrechtzuerhalten und noch auszubauen."
Die Schulen böten darüber hinaus Arbeitsplätze, ein wesentlicher Faktor für die Lebensqualität der Bürger in der gesamten Region. Diese müssten dringend erhalten werden.
Mit einer Fläche von 1459 Quadratkilometern gehöre der Vogelsbergkreis zu den größten hessischen Landkreisen. Das bedeute, dass die Schüler im Falle einer Standortkonzentration sehr weite Anfahrtsstrecken zurücklegen müssten - "angesichts der Mobilität 15- bis 17-jähriger Berufsschüler ein nicht zu unterschätzendes Problem."
Eine Standortkonzentration und die Größe der dann entstehenden Schule werde eine Anonymität auslösen, die laut Vollmöller mit den bekannten Folgen und Problemen (Stichwort: Gewalt in Schulen) einhergehen werde.
Vor dem Hintergrund der demografischen Entwicklung stünden die ländlichen Regionen und die Kreisstadt Lauterbach vor neuen und großen Herausforderungen. "Es ist zu befürchten, dass sich diese Auswirkungen durch die Planungen noch verstärken werden."
Das Kultusministerium hat in seiner Antwort darauf hingewiesen, dass die beiden beruflichen Schulen des Vogelsbergkreises auch in Konkurrenz stehen zu anderen beruflichen Kompetenzzentren in Hessen. Insbesondere aus schulischer Sicht solle das angestrebte berufliche Kompetenzzentrum im Vogelsbergkreis in erster Linie deshalb eingerichtet werden, um die beiden Berufsschulstandorte im Vogelsberg mittel- und langfristig abzusichern und eine flexiblere Angebots- und Infrastruktur für den Vogelsbergkreis zu entwickeln. Dieser Prozess solle durch den Schulträger ergebnisoffen geprüft werden.
Das Ministerium hat zugesichert, dass ihm erst mit Abschluss der Verhandlungen und durch Beschluss der Schulgremien des Vogelsbergkreises ein Schulentwicklungsplan zur Entscheidung vorgelegt werde. Es bestehe zwischen dem Kreis als Schulträger und dem Ministerium keine Vereinbarung zur Zusammenlegung der beiden beruflichen Schulen im Vogelsbergkreis.
Quelle: Oberhessische Zeitung vom 24.08.2007