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2007

Inszenierung voller Zerbrechlichkeit

Gestern ging das 24. Hessische Schultheatertreffen in Alsfeld zu Ende

Pressespiegel: Oberhessische Zeitung vom 30.06.2007

Szenenbild Szene aus Einer flog über das Kuckucksnest (Herderschule Kassel)

ALSFELD (maw). Gestern fiel der letzte Vorhang des Hessischen Schultheatertreffens an der Alsfelder Max-Eyth-Schule. Nach den zweiten sechs Inszenierungen, die auf großen Zuspruch trafen, heißt es Abschied nehmen. Auch die Stücke der Älteren waren alle gespielt und bejubelt. Den Anfang machte die Herderschule aus Kassel mit "Einer flog über das Kuckucksnest". Die kritischen Stimmen, die man noch beim Warten auf den Einlass hören kann - wie soll man denn diesen Stoff ohne Jack Nicholson rüberbringen? - verstummen bald. Die Inszenierung beeindruckt durch schöne Bilder und Eigenständigkeit: Die Spieler hatten sich zum größten Teil noch nicht mit der Verfilmung des Stoffes beschäftigt. So entstand eine unabhängige Interpretation. Also guter Grund für die standing ovations, die am Ende auf die Spieler warten. Am nächsten Morgen ging es mit der nächsten Gruppe aus Kassel weiter: der Schombergschule mit "Fünf Buchstaben". Die "Fünf Buchstaben" stehen für Liebe und sollten als Lösung für Konflikte gelten. Die Leiterin einer Forschergruppe entwickelt ein Serum, das Menschen gefügig macht. Im folgenden will sie sich bei jenen rächen, die ihr das Leben in der Schule zur Hölle gemacht haben. Das Stück ist trotz seines ernst klingenden Inhalts eher auf Lustigkeit gemünzt. Und endet auf eine gut vorbereitete Pointe. Damit stand es im krassen Gegensatz zu "Ich", das darauf folgte.

Szenenbild Szene aus Ich (Bund Deutscher Pfadfinder Gießen)

Der Bund Deutscher Pfadfinder Gießen hat sich mit einem sehr offenen Stück auf die Bühne gewagt. Was dabei herauskam, war eine wunderschöne Inszenierung, die an Zartheit und Zerbrechlichkeit kaum zu übertreffen war und dem Zuschauer grundlegende Fragen stellt. In der teilweise improvisierten Aufführung wurde kaum gespielt, selten eine Rolle eingenommen. Das Stück lebte durch seine Ehrlichkeit. So entstand eine große Intimität zwischen Spielern und Publikum. Man fragte sich ununterbrochen, woher die acht Personen den Mut nahmen, vor der voll besetzten Aula so offen zu sein. Sie gingen sogar noch einen Schritt weiter. Die Zuschauer hatten Fragebögen erhalten. Hier durfte ganz anonym jeder der Spieler bewertet werden, aber nicht als Spieler, sondern als Mensch. Die Zartheit der Aufführung wird immer wieder durch Tänze unterbrochen, die schon alleine beim Zuschauen Spaß machen. Wie verrückt hüpften hier acht Leute über die Bühne, die eben noch die zerbrechlichsten Wesen waren.

Szenenbild Szene aus Lisa und die Knallharten Piraten (Eichendorffschule Kelkheim)

Als nächstes führte die Eichendorffschule Kelkheim "Lisa und die Knallharten Piraten" auf. Die Gruppe unterschied sich vom Alter her stark von den übrigen Gruppen. Trotzdem schafften sie es, ihre älteren Zuschauer zu begeistern. Später am Abend feierten die Teilnehmer der zweiten Runde gemeinsam in der Aula der ASS. Während sich einige in Karaokewettkämpfen erprobten, unterhielten sich andere angeregt und angetan über die gerade gesehene Inszenierung.

Szenenbild Szene aus Lysistrate (Einhardschule Seligenstadt)

Das letzte Stück "Lysistrate" der Einhardschule Seligenstadt war der Abschluss der Woche. Das antike Anti-Kriegs-Stück trat hier in neuem Gewand auf. Durch nahtlose Inszenierung und kleine Pointen blieb das Publikum aufmerksam. Modeverrückte Frauen und fußballgeile Männer liefern sich einen emotionalen Krieg. Am Ende siegt die Einsicht - oder der Fußball. Und dann war es Zeit für das letzte Mittagessen. Die Sachen werden gepackt, die Bühnen abgebaut. Und die Theatergruppen verschwanden wieder in die verschiedenen Richtungen Hessens.

Quelle: Oberhessische Zeitung vom 30.06.2007, Foto: HSTT-Blog