Pressespiegel: Oberhessische Zeitung vom 02.02.2007
Knapp ein Viertel aller Jugendlichen, die im Bezug von Arbeitslosengeld II sind, verlässt die Schule ohne Abschluss. Die Zahl derjenigen, die keine abgeschlossene Ausbildung haben, ist doppelt so hoch. Diese Tatbestände stellen ein wesentliches Vermittlungshemmnis dar, welches die Kommunale Vermittlungsagentur durch qualifizierende Angebote ausgleichen will. Dabei wird der besondere Wert darauf gelegt, dass jugendliche Empfänger von Arbeitslosengeld II den Schulabschluss nachholen und/oder in eine (betriebliche) Ausbildung des dualen Systems einmünden. In einem Projekt, das die Kommunale Vermittlungsagentur mit der Max-Eyth-Schule kreiert hat, konnten genau diese Vermittlungshemmnisse ausgeglichen werden.
So auch bei Marina H. Sie hat einen klaren Berufswunsch: Sie will Altenpflegerin werden. Gemeinsam mit anderen Bewerberinnen und Bewerbern lässt sie sich im Mai 2005 für diesen Beruf testen. Nach bestandenem Test galt es, das Zeugnis und den Schulabschluss vorzulegen. Hier musste sie passen. Ein wenig geknickt war sie schon. Aber alles "hätte ich doch" und "warum habe ich nicht" nutzte in dieser Situation nichts mehr. Ein Hauptschulabschluss muss vorgelegt werden, und zwar bald!
Eine Möglichkeit, den Hauptschulabschluss nach Vollendung der regulären Schulpflicht nachzuholen, gab es bisher kaum. Gemeinsam mit der Max-Eyth-Schule Alsfeld wurde ein Konzept erarbeitet, welches auch Jugendlichen, die nicht mehr im schulpflichtigen Alter sind, die Möglichkeit zum Nachholen des Hauptschul-abschlusses bietet.
Im Oktober 2005 startete zum ersten Mal das Projekt mit dem Namen "Joker". Während eines Schuljahres besuchen die TeilnehmerInnen an zwei Tagen in der Woche die Schule, die anderen drei Tage befinden sie sich in einem Betriebspraktikum. Im Betrieb können sie den Arbeitsalltag kennen lernen und sich in der Praxis bewähren. Denn Ziel des Projekts ist neben der schulischen Qualifizierung auch, dass die TeilnehmerInnen durch einen positiven Eindruck und gute Mitarbeit im Betrieb ihre Chance auf einen Ausbildungsplatz erhöhen. Während des gesamten Dauer des "Joker"-Projekts werden die Jugendlichen sozialpädagogisch von einer Mitarbeiterin der KVA betreut.
Marina H. war bei den Ersten, die sich zum Projekt anmeldete. Gemeinsam mit anderen jungen Bewerberinnen und Bewerbern durchlief sie einen von der Max-Eyth-Schule entwickelten Test, dann folgte ein Vorstellungs-gespräch. Die Auswahl wurde getroffen: Marina war dabei.
Nach einem erfolgreichen Jahr und einem Praktikum in der Sozialstation Ohm-Felda-Mücke, bestand sie im Juli 2006 gemeinsam mit acht Mitschülern und Mitschülerinnen die Prüfung zum Hauptschulabschluss.
Sie meldete sich erneut in der Aenne-und-Konrad-Geisel-Schule an. Diesmal erfüllte sie die Voraussetzungen, um die Ausbildung zur Altenpflegehelferin zu beginnen. Der erste Theorieblock ist schon geschafft. Im Dezember folgt der Praktikumsblock in der Sozialstation. "Die Ausbildung macht großen Spaß", so berichtet uns Marina. "Vielleicht kann ich nach erfolgreichem Abschluss im Herbst 2007 die Ausbildung zur examinierten Altenpflegerin fortsetzen".
Um dem weiterhin hohen Anteil von arbeitslosen Jugendlichen ohne jeglichen Abschluss Rechnung zu tragen wurden für das Schuljahr 2006/07 von der Kommunalen Vermittlungsagentur gemeinsam mit der Max- Eyth-Schule in Alsfeld und der Vogelsbergschule in Lauterbach zwei "Joker"-Klassen auf den Weg gebracht. Insgesamt 24 jugendliche Teilnehmer wollen nach Beendigung des Schuljahres ihren Hauptschulabschluss in der Tasche haben und eine Ausbildung beginnen.
Quelle: Oberhessische Zeitung vom 02.02.2007