Aktuelles

Archiv

2007

Flexibilität ist bei der Lehrstellensuche wichtig

Jugendliche, die noch keine Ausbildung gefunden haben, haben noch Möglichkeiten

Pressespiegel (Oberhessische Zeitung vom 28.07.2007)

Annika Rausch VOGELSBERGKREIS. "Es gibt schon seit einigen Jahren im Vogelsbergkreis einfach mehr Bewerber als Ausbildungsstellen; deshalb können nicht alle einen Ausbildungsplatz finden", bilanziert Ralf Bellinger, einer der drei Berufsberater bei der Agentur für Arbeit in Lauterbach, die aktuelle Ausbildungssituation in der Region. Konkrete Zahlen zu benennen - wie viele Jugendliche wie vielen freien Ausbildungsstellen gegenüber stehen - sei jedoch recht schwierig. "Es ist keine Pflicht, sich bei uns zu melden", erklärt Bellinger. "Wir können nur über die Bewerber und die Arbeitgeber berichten, die uns bekannt sind. Das waren im Juni 174 freie Ausbildungsstellen und 305 Bewerber, die noch keinen Platz gefunden hatten. Das alles ist jedoch ständig in Bewegung. Auch jetzt kommen noch Jugendliche zu uns, die für August oder September noch keine Lehrstelle gefunden haben. Vereinzelt melden sich ebenfalls Betriebe, die sich jetzt noch dafür entschieden haben, einen Azubi einzustellen oder denen ein Lehrling ausgefallen ist." Auch kurzfristig kann also mit ein bisschen Glück noch der eine oder andere Platz ergattert werden. Die nächsten Zahlen zum Ausbildungsmarkt Vogelsbergkreis werden erst wieder Ende Juli/Anfang August bekanntgegeben werden.
Dennoch kann jetzt schon ganz klar gesagt werden: Wieder gingen Jugendliche auf der Suche nach einem Ausbildungsplatz leer aus. "Auch wenn wir genauso viele Stellen wie Bewerber hätten, würden noch immer Einige ohne Lehrstelle dastehen, da auch die Profile zusammenpassen müssen. Nicht jede junge Frau oder jeder junge Mann ist gleichermaßen für alle Arbeitsangebote geeignet", erläutert der Berufsberater. "Deshalb erarbeiten wir in Vorgesprächen schon Alternativen gemeinsam mit den Jugendlichen. Wer zum Beispiel Interesse an einer Arbeit als KFZ-Mechatroniker hat, dem würde vielleicht auch eine Ausbildung als Karosseriebauer liegen. Zu jedem passen in der Regel mehrere Berufe."
Deshalb empfiehlt Ralf Bellinger bei der Suche nach dem geeigneten Ausbildungsplatz: "Flexibilität ist das A und O. Jedoch sollte sich niemand blind einfach auf alles bewerben. Das Interesse sollte schon vorhanden und in der Bewerbung auch spürbar sein. Der Satz `Ich glaube, diese Arbeit würde mir Spaß machen` reicht da nicht. Jeder sollte in seinem Bewerbungsanschreiben genau begründen, warum er diese Ausbildung machen möchte. Natürlich sollen keine Romane verfasst werden, doch die Motivation sollte schon spürbar sein." Viele Jugendliche würden außerdem die Doppelstrategie "Schulanmeldung und Ausbildungsplatzsuche" anwenden, um noch etwas in der Hinterhand zu haben, falls es mit der Lehre nicht klappe.
Doch das Problem liegt nicht immer nur bei den Jugendlichen. In Zeiten, in denen das Angebot niedriger ist als die Nachfrage, haben Betriebe die freie Wahl unter vielen Bewerbern. "Wenn da jemand nicht so die idealen Vorraussetzungen hat, hat der es auf Grund der großen Konkurrenz schon schwer. Er muss sich nämlich nicht nur gegen Bewerber aus diesem Jahr durchsetzen. Auch Bewerber, die 2006 leer ausgegangen sind, versuchen jetzt wieder, eine Ausbildung zu bekommen", so Bellinger. Zudem machen es auch die weiten Entfernungen und die schlechten Verkehrsverbindungen im Vogelsberg den Jungen und Mädchen nicht gerade leicht. "Ein 16-jähriger in Homberg kann noch so geeignet für eine Lehrstelle in Schlitz sein, wenn er keine Möglichkeit hat, dort hin zu kommen", macht Ralf Bellinger die Problematik an einem Beispiel deutlich.
Jugendliche, die in diesem Jahr keine Ausbildung anfangen können, halten sich oft mit Jobben über Wasser. Auch das Freiwillige Soziale Jahr oder die Bundeswehr sind mögliche Alternativen. Doch auch für den Besuch einer berufsbildenden Schule muss es noch nicht zu spät sein, erklärt der Fachmann: "Anmeldeschluss an der Vogelsberg- oder der Max-Eyth Schule ist zwar im Februar und im März. Doch auch da ist immer Bewegung drin und wenn noch ein Platz frei ist, kann man auch jetzt noch Erfolg dort haben." Außerdem bietet die Agentur für Arbeit noch berufsvorbereitende Lehrgänge für die Dauer von zehn Monaten an. "Hier können ungefähr 80 Jugendliche im Rahmen von Praktika in die Betriebe reinschauen und ihr Wissen im zusätzlichen theoretischen Unterricht aufbessern", zählt Bellinger auf. Telefonnummer für weitere Informationen ist die 06631/96590. Ein anderes Angebot ist die Einstiegsqualifizierung für Jugendliche (EQJ), die Langzeitpraktika vermittelt. Hier können jedoch keine genauen Zahlen über Stellen gegeben werden, da diese Angebote von den Betrieben kommen müssen. Weitere Auskünfte zu dieser Alternative erteilt die Agentur für Arbeit. Wenn diese Maßnahmen auch nicht gegriffen haben, gibt es noch die Möglichkeit der außerbetrieblichen Ausbildung, in der in einem Kooperationsbetrieb ausgebildet wird. Dieses Angebot steht aber nur acht bis 14 Jugendlichen im Vogelsbergkreis offen. Hierzu erteilt ebenfalls die Agentur für Arbeit weitere Informationen.

Quelle: Oberhessische Zeitung vom 28.07.2007