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2007

Ein Fazit lautete am Ende: "Wir brauchen mehr Europa"

Stolz auf Europa: die Ehrengäste <br />der Europa-Jubiläumsfeier

Feierstunde am Freitagabend in der Alsfelder Max-Eyth-Schule zum 50-jährigen Jubiläum der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft

Pressespiegel: Oberhessische Zeitung vom 02.04.2007

ALSFELD (la). Es war eine Hommage für Europa auf hohem Niveau: die Feierstunde am Freitagabend in der Alsfelder Max-Eyth-Schule zum 50-jährigen Jubiläum der Gründung der Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft. Dieses Jubiläum hatte der Kreisverband der Europa-Union Vogelsberg zum Anlass genommen, gemeinsam mit der Max-Eyth-Schule, der einzigen Europaschule im Kreis, ein Zwischenfazit zur europäischen Einigungsprozess zu ziehen.
Intention der Veranstalter war es insbesondere, durch Stellungnahmen von Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens zu beleuchten, was die europäische Integration speziell dem Vogelsberg gebracht hat. Schulleiter Friedhelm Miebach stellte zum "Geburtstag" heraus, dass seine Schule ein "Spiegelbild von Europa" sei. Europa sei Einheit und Vielfalt zugleich.
Schüler aus 35 Nationen besuchten die Max-Eyth-Schule. Es befänden sich aber nur 81 ausländische Schüler darunter. Es sei also bei insgesamt über 2500 Schülerinnen und Schülern kein hohes Ausländerpotenzial vorhanden, wohl aber eine große Nationenvielfalt.
Das Schulprogramm der Alsfelder Europaschule sei gleichzeitig auch ein "Europäisches Curriculum": "Für uns ist Lernen für Europa eine konkrete Aufgabe." Die Schüler würden auf Europa unter anderem vorbereitet durch das Erlernen von Sprachen, Erlangung des europäischen Computerführerscheins, durch Studienfahrten ins Ausland und auch durch Auslandspraktika. Insgesamt seien 26 verschiedene Europa-Schul-Projekte absolviert worden, sagte Miebach. Seine Schule habe vor einigen Jahren auch den Europa-Preis der Europäischen Union erhalten. Die verschiedenen Kulturen zusammen zu führen, so Miebach später, sei für seine Schule heute eine Selbstverständlichkeit.
Auch die eine oder andere kritische Anmerkung zu Europa gab es, insbesondere über den alltäglichen Umgangs mit den EU-Vorgaben. Gerade dazu äußerte Kreislandwirt Reinhardt, der für die Landwirtschaft ein generell positives Zwischenfazit zum vereinten Europa abgab, einiges Kritisches im Sinne eines "Wechselbads der Gefühle". Einerseits sei die EU zwar ein "großer Segen für die Landwirtschaft", andererseits bestehe aber zu viel Spielraum für die Nationalstaaten. Reinhardt kritisierte vor allem die "gigantischen Kontrollmechanismen" mit unter anderem "144 Richtlinien".
Bei dieser 90-minütigen Feier kamen viele Redner zu Wort: Landrat Rudolf Marx, die Romröder Bürgermeisterin Dr. Birgit Richtberg, Oberstudiendirektor Friedhelm Miebach, die beiden Max-Eyth-Schüler Patrick Linker und Oliver Waschke, Kreislandwirt Norbert Reinhardt, Kreishandwerksmeister Herbert Betz, Thomas Falk, Vorstandsmitglied der Sparkasse Oberhessen, Ernst Richter, der Vorsitzende des DGB Mittelhessen, und zum Abschluss Thomas Mann, der Landesvorsitzende der Europa-Union und Europaabgeordnete.
Allen Statements gemeinsam war ein klares Bekenntnis zum vereinten Europa im Sinne von "ich finde Europa gut" wie bei Herbert Betz oder, wie es Rudolf Marx formulierte: "Wir haben von Europa viel profitieren können." Der Landrat unterstrich insbesondere die vielfältigen EU-Maßnahmen im Kreis, von denen dieser auch künftig werde Vorteil ziehen können.
Der Landrat hob für die Region auch die vielen europaweiten aktiven Partnerschaften Vogelsberger Gemeinden wie in Romrod, Homberg und Lauterbach hervor, die der Völkerverständigung dienten. Um den Vogelsbergkreis in vielfältigster Weise gleichberechtigt an den Lebensbedingungen finanziell auszustatten, seien insgesamt in all den Jahren über 50 Millionen Euro an EU-Fördermitteln - zum Beispiel "die Millionenförderung" für die Landwirtschaft, die Synagogenumwidmungen in Romrod und Kestrich oder auch den Tourismus wie das Zentrum auf dem Hoherodskopf" - in die Region geflossen.
Auch in wirtschaftlicher Hinsicht sei Deutschland nicht umsonst eine der stärksten Wirtschaftsregionen der Erde. Man habe sich über Systeme entwickeln dürfen, die von Freiheit und demokratischem Selbstverständnis geprägt seien: "Unterm Strich gesagt: Europa hat uns viel gegeben." Europa sei "eine Erfolgsstory ohnegleichen".
Thomas Mann, Europaabgeordneter und EU-Landesvorsitzender, war es vorbehalten, die Schlussaussagen zu formulieren. Er tat dies in kompetent-engagierter Weise, streifte viele Facetten des europäischen Einigungsprozesses - darunter auch den aktuellen Klimagipfel - und brachte seine persönliche Meinung auf den Punkt: "Wir brauchen mehr Europa." Die gegenwärtige europäische Ratspräsidentschaft unter Bundeskanzlerin Angela Merkel sei außerordentlich positiv für die Weiterentwicklung des europäischen Einigungsprozesses zu bewerten.
Unter anderem sei auch erreicht worden, dass das Thema Energiesicherheit das zentrale Thema bei den Bürgern geworden sei. Also müsse man eine Antwort geben, die laute: "Nicht weniger Europa, sondern mehr Europa!".
Thomas Mann provozierte aber auch mit der Aussage: "Bei uns im Europäischen Parlament sind alle Ausschusssitzungen öffentlich, hallo hessischer Landrat, hallo deutscher Bundestag, bei euch nicht!". Mann sprach sich tendenziell für ein "mehr an Europa" aus, "wenn es denn gemeinsam gerecht zugeht". Essenziell sei vor allem auch, dass stets die Möglichkeit der Transparenz gegeben sei.
Dass der Gedanke an Europa an der Max-Eyth-Schule gelebt wird, dies hatten zuvor die beiden Schüler Patrick Linker und Oliver Waschke aus der Klasse der Fachoberschule mit dem Schwerpunkt "Bautechnik" in ihren Statements unterstrichen, die in ihren Klassen zum "pro und contra" zu EU zusammengetragen worden waren. Ganz positiv bewertet wurden die Maßnahmen zur Friedenssicherung. Aber sehr wichtig schienen den Schülern unter anderem die Anstrengungen auf dem Sektor Weltklima zu sein: "Die Regelungen bezüglich des Kohlendioxid-Ausstoßes müssten strenger sein."

Text und Fotos: Oberhessische Zeitung vom 02.04.2007