Aufgrund immer größer werdender Klassen sind Schülerexperimente in der Mittelstufe im Fach Chemie kaum mehr möglich. Die Folge ist, dass die Schülerinnen und Schüler den Chemieunterricht oft als sehr theoretisch und wenig fassbar erleben und ihm nur geringes Interesse entgegenbringen. Dies trifft insbesondere für Mädchen zu, denn nach wie vor wird die Chemie als Domäne der Jungen angesehen. Hier setzte unser Angebot an.
Am "Mädchenzukunftstag" am 27. April 2006 konnten Schülerinnen Chemie auch mal von der praktischen Seite erleben. In der Zeit von 8 bis 13 Uhr erhielten sie einen Einblick in den Tätigkeitsbereich einer chemisch-technischen Assistentin. Dabei standen umweltanalytische Fragestellungen im Vordergrund.
Zum einen wurden Trinkwasserproben, die von den Teilnehmerinnen mitgebracht werden konnten, auf Kupfer und Blei untersucht. Dazu stand ein modernes Analysegerät zur Verfügung, das diese gesundheitsschädlichen Schwermetalle noch in einer Konzentration von einem Millionstel Gramm messen kann.
Im zweiten Teil ging es um Phosphat, das wesentlich dazu beträgt, dass es in den Sommermonaten in Seen sowie in Nord- und Ostsee zu Massenvermehrungen von Algen kommen kann. Tritt eine solche "Algenblüte" auf, kann ein Fischsterben in dem betroffenen Gewässer die Konsequenz sein. Folgende Fragen sollen geklärt werden: Wie gelangt Phosphat in die Umwelt? Was kann man dagegen tun? Wie hoch sind die Phosphatgehalte in unseren Bächen und Seen?
Die Teilnehmerinnen führten die Experimente unter Anleitung selbst durch und lernten auf diese Weise die wichtige und vor allem auch interessante Tätigkeit einer chemisch-technischen Assistentin kennen und kamen vielleicht zu dem Ergebnis, dass die Arbeit im Labor eine echte berufliche Alternative darstellt.
Die vollschulische Ausbildung dauert zwei Jahre und führt zu einem qualifizierten Berufsabschluss. Der spätere berufliche Einsatz einer chemisch-technischen Assistentin beschränkt sich nicht nur auf den Umweltbereich. Wie die Erfahrungen der Absolventen und aktuelle Stellenausschreibungen zeigen, werden chemisch-technischen Assistentinnen auch im lebensmittelchemischen und medizinischen Bereich sowie im stark expandierenden Bioanalytik- und Biotechnologiesektor gesucht.
An Attraktivität gewinnt die Ausbildung noch durch die Tatsache, dass durch den anschließenden Besuch der Fachoberschule in nur einem Jahr die allgemeine Fachhochschulreife und damit die Berechtigung zum uneingeschränkten Studium an einer Fachhochschule erworben werden kann. Der Besitz der Fachhochschulreife eröffnet auch den Zugang zu den Bachelor- und Masterstudiengängen an Universitäten.
Text und Foto: Dr. E. Falk