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Das gewisse „Je ne sais quoi“ aus Bouclé, Klassik und Tattoos

16. Modenschau der Mode- und Maßschneiderinnen präsentiert Modo "A la Coco"

Schulleiter Friedhelm Walther begrüßte gemeinsam mit den Moderatorinnen Margarethe Werner, Sarah Bönsel und Sophie Isabeau Reuber das Publikum in der Aula der Max-Eyth-Schule.

Sie fehlten nicht auf dem Alsfelder Laufsteg: Die typischen Chanel-Klassiker.

„La joie de vie“ – voller Freude präsentierten die Auszubildenden ihre Modelle.

Sie präsentierten stolz: die Schluppenbluse!

Begeisterte Gesichter im Publikum, hier in der ersten Reihe bei Gaby und Henner Muhl, Friedhelm Walther und Georg Wittich.

Sie präsentierten stolz: die Schluppenbluse!

Klassischer, purer Chic à la Coco in Alsfeld!

Sehr französisch: die Inszenierung der Mode von Coco Chanel.

Die klassische Chanel-Jacke hatte diese Gruppe mit viel Begeisterung im Fokus.

Das kleine Schwarze mit Spitze, Boots und Tattoos: Willkommen im 21. Jahrhundert!

ALSFELD (pm). Den Chic, die Eleganz und die Klassik französischer Laufstege brachten am Donnerstag die Mode- und Maßschneiderinnen der Max-Eyth-Schule auf den Catwalk ihrer Aula und bezauberten damit ein großes Publikum, das zweimal an diesem Tag die Schule füllte und nicht müde wurde, gemeinsam mit den jungen kreativen Modeschöpferinnen und Models die Frau zu feiern, die ihrer Zeit weit voraus war, die Mode emanzipiert hat und der Welt das Kleine Schwarze geschenkt hat.

„Eine Hommage an Coco Chanel“ kündigte Schulleiter Friedhelm Walther in seiner gutaufgelegten Begrüßungsrede am Abend an. Unter den vielen Gästen begrüßte er besonders Georg Wittich vom Staatlichen Schulamt Gießen und Heinrich Muhl als Vertreter der Städtischen Gremien. Walther zeigte sich stolz auf die Auszubildenden, die hier ihr Können und Wirken unter Beweis stellten, und er unterstrich, dass die Ausbildung an der MESA zwar vollschulisch sei, aber mit einer Gesellenprüfung an der Industrie- und Handelskammer einer betrieblichen Ausbildung gleichkomme. Zu den 45 jungen Leuten, die diese Ausbildung an der MESA absolvieren, kamen in den drei Ausbildungsjahren, die hier ihre Arbeiten präsentierten, fünf hinzu, die eine Duale Ausbildung machen und das Berufsschulangebot der Europaschule, aus deren Mittel auch die Modenschau realisiert wurde, nutzen. Walthers Dank galt zu diesem Anlass ganz besonders den Lehrkräften und Ausbildungsleiterinnen dieses Bereichs, den Ausbildungsbetrieben sowie den Sponsoren und Mitwirkenden aus anderen Bereichen, die den Aufbau, die Organisation und die Technik für dieses große Ereignis realisiert haben.

Für die Moderation der Modenschau übergab Walther das Mikrofon an drei Moderatorinnen – Sophie Isabeau Reuber, Margarethe Werner und Sarah Bönsel -, die viele Informationen über das Schaffen Coco Chanels und ihre eigene Ausbildung an der Max-Eyth-Schule parat hatten. Die erste Laufgruppe präsentierte die Umsetzung des Mottos „tissu“ (Stoff / Gewebe). Sie legte den ersten Schwerpunkt der Show auf die klassischen Chanel-Stoffe Tweed (ursprünglich ein traditioneller Herrenstoff, der Chanel zu ihrem legendären Damenkostüm inspirierte), Jersey, das es der Modeschöpferin ermöglichte, eine sportlichere Linie zu entwerfen, und Bouclé, ein Gewebe aus unregelmäßigen, bunt gewebten Garnen, das fast zum Inbegriff des Stils von Coco Chanel geworden ist.

Die jungen Kreativen der Max-Eyth-Schule interpretieren die Klassiker neu: Sie trauten sich, den lässigen Chic Coco Chanels mit derben Boots zu kombinieren oder die Farbwahl ihren sichtbaren Tattoos anzupassen – die ganz besondere Übertragung eines Stils von einem Jahrtausend zum nächsten! Selbst entworfen, genäht und präsentiert waren die Kreationen und damit so individuell wie ihre Trägerinnen, denen es gelungen war, inspiriert von der Grande Dame der Modeszene, ihren eigenen Typ entweder perfekt zu unterstreichen oder ganz neue Seiten an sich selbst zum Vorschein zu bringen. Entsprechend stolz und selbstbewusst schritten sie über den weißen Laufsteg, dessen Begrenzung mit frischem Grün ganz offensichtlich von den großen Lagerfeld-Schauen inspiriert war. Bereits beim ersten Lauf wurde deutlich, dass die Modeschöpferinnen der Max-Eyth-Schule nichts dem Zufall überlassen hatten: Passende Accessoires wie eine goldene Clutch ergänzten die Looks perfekt, typisch französische Zutaten wie eine Baskenmütze huldigten wie nebenbei dem Land der Mode schlechthin. Dazu natürlich der unvermeidliche chanelrote Lippenstift – die perfekte Inszenierung des Stils von Coco Chanel! Aus dem Off war französisches Stimmengewirr zu hören, neue französische Musik der Künstlerin ZAZ leitete die Läufe ein, die ihrerseits von passender Musik begleitet wurden. Wie etwa von dem unvergänglichen „Diamonds are a girl’s best friends“, zu dem die Damen des ersten Lehrjahrs fröhlich, fast übermütig, zeigten, was eine Schluppenbluse ist.

Unter dem Stichwort „masculinité“ fasste die nächste Laufgruppe Chanels Aufbruch in die modische Emanzipation zusammen: Erstmals wurde Frauenkleidung männlicher, weniger figurbetont und damit weniger in Korsetts gezwängt, dafür praktischer. Mit der Coco Chanel eigenen Selbstverständlichkeit hatten aber auch die maskulinen Modelle die besondere Eleganz ihrer Schöpferin inne. Die Mode- und Maßschneiderinnen der Max-Eyth-Schule zeigten mit ihren Entwürfen zu diesem Thema, dass eine gutgeschnittene Hose zu jeder Frau passt. Daneben beeindruckten sie mit gutgesetzten Applikationen: Kleine typische Stilelemente wie die „Chanel-Borte“ umrahmten die Paspeltaschen einer Hose – ein zweiter und dritter Blick auf die Details lohnte sich also durchaus!

Die Auszubildenden des zweiten Lehrjahrs zeigten sodann Variationen im Bereich Hosen: Breiter Bund, Aufschläge, Säume – alles Stilmittel, die wirken, ohne aufdringlich zu sein. Eine gelungene Präsentation, die im Publikum große Lust auf Chic machte – Hüftschwung inklusive!

Die nächste Gruppe widmete sich der Bluse, der femininen Form des Oberhemdes. Hier spielten die Designerinnen mit Stoffen und Mustern, zeigten glänzende, edle Teile und präsentierten teils gewagte Kombinationen aus klassischer Strenge und Verspieltheit. Manche der gezeigten Stücke offenbarten ihr „O-là-là“ erst beim Umdrehen: Spitze auf dem Rücken oder ganz rückenfrei – so zeigten sich einige der Kreationen dieses Abends.

Natürlich hatte sie ihren ganz eigenen Auftritt: die klassische Chanel-Jacke aus dem typischen Bouclé, präsentiert vom 3. Ausbildungsjahr. Die Damen hatten sich wie ihre jüngeren Kolleginnen nicht nur außergewöhnliche Stücke geschneidert, sondern für ihre Präsentation auch eine eindrucksvolle Choreographie ausgedacht. Dennoch überließen sie die Bühne den Jacken, deren Eindruck durch keine weitere Auffälligkeit in Sachen Hosen, Röcke oder Accessoires geschmälert wurde.

Den Abschluss der Schau machte – wie könnte es anders sein – der Chanel-Klassiker schlechthin: Die „petite robe noire“ – das berühmte Kleine Schwarze, das diese Gruppe mitunter auch als große Robe oder Hosenanzug interpretierte, als Zweiteiler, Jumpsuit oder schulterfrei. So waren sie sich bis zum letzten Modell treugeblieben: Inspiriert von der großen Coco Chanel hatten die Mode- und Maßschneiderinnen der Max-Eyth-Schule gezeigt, wie man Stil individuell umsetzt, Klassiker in das Jahr 2018 überträgt und ganz viel Spaß an Mode hat. Oder, wie Coco Chanel es ausgedrückt hat: „Um unersetzbar zu sein, muss man immer anders sein.“

09.04.2018