Aktuelles

Von wegen: „Der will doch nur spielen …“

Gewinner des Jugend-Literaturpreises der OVAG beeindruckten vor Schülern in Alsfeld

Lesung in der Max Eyth-Schule Alsfeld v.l.: Kerstin Uebele, Katharina Claus und Leonie Oestreich

Erstaunlich: Eine 16-Jährige schreibt überzeugend über den Zweiten Weltkrieg aus der Sicht eines Jungen, dessen Vater eingezogen wird und der nach Kriegsende zunächst als vermisst gilt. Dieses erzählerische Kunststück gelungen ist Leonie Oestreich aus Schlitz (Schülerin der Alexander-von-Humboldt-Schule in Lauterbach), welche im vergangenen Herbst die Jury des 13. Jugend-Literaturpreises der OVAG mit ihrer Erzählung „Warten“ beeindruckte. Neben zwei weiteren jungen Autorinnen war Leonie Oestreich nun in der Max Eyth-Schule zu Gast, wo die jungen Autorinnen ihre prämierten Geschichten vor Schülern dieser lasen sowie vor solchen der Albert-Schweitzer-Schule. Derzeit lesen die insgesamt 24 Preisträger an 38 Schulen in Oberhessen in unterschiedlicher Zusammensetzung.

„Neidisch lauschte er seinen Schulkameraden, wenn sie von ihren heimgekehrten Vätern erzählten“, heißt es in Leonies Kurzgeschichte. Die Mutter findet einen neuen Mann, eine Situation, mit welcher der Junge nicht klar kommt. Was die Situation vorübergehend eskalieren lässt: „Ludwig Becker saß auf Vatis Stuhl.“ Eines Tages kommt der Vater doch zurück, der Junge holt ihn vom Bahnhof ab, begleitet ihn nach Hause, was nicht mehr das Zuhause des Vaters ist. Geschickt blendet Leonie Oestreich die Begegnung im Haus aus, überlässt sie der Phantasie des Lesers.

Auf der Bühne zwei weitere Gewinnerinnen, die jeweils zum dritten Mal unter den Preisträgern waren. Mit der seltenen Glasknochenkrankheit hat sich dabei Katharina Clauss (21) aus Lauterbach in „Wie aus Glas“ beschäftigt. Hierfür hat sie eine nicht alltägliche Konstruktion verwendet: Sie erzählt ihre Geschichte rückwärts, aus dem Krankenbett, wo sich der junge Patient in eine Pflegerin verliebt zurück bis zu dem Moment, wo er auf einen Hund getroffen ist, dessen Besitzerin noch abwiegelte: „Keine Angst, der tut nichts. Der will nur spielen!“

Auch die Geschichte der 20-jährigen Kerstin Uebele (Bad Nauheim) gibt zum Nachdenken Anlass. Der Text „Zugvögel“ handelt von einer schrägen Freundschaft zwischen der Erzählerin und einer Außenseiterin, die am Borderline-Syndrom krankt. Als die Erzählerin nach dem Abitur zum Studieren in eine weit entfernte Stadt zieht, schwankt ihre Freundin zwischen Wut, Entsetzen und Depression. Es ist somit ebenso eine Geschichte über die Zeit nach dem prägenden Lebensabschnitt Schule, eine Geschichte über das Abschiednehmen von Lebensphasen, Orten und Freunden.

Das Buch „Gesammelte Werke“ (200 Seiten, Hardcover) mit den Geschichten aller 24 Preisträger kostet 12 Euro und kann bestellt werden unter der Rufnummer 06031 6848 1118. Informationen zum Jugend-Literaturpreis 2017 unter 06031 6848 1222 und unter andreas.matle@ovag-energie.de

31.03.2017