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"Unsere Schule hat viel für uns getan!" Flüchtlinge an der Max-Eyth-Schule

Faiz Mehar aus Pakistan und Raziullah Faqiri aus Afghanistan waren mit in Düsseldorf dabei, als unsere Schule den Deichmann-Förderpreis für Integration verliehen bekam. Sie besuchen im zweiten Jahr eine Klasse, in der schwerpunktmäßig Deutsch als Zweitsprache unterrichtet wird. Interview:

Antje Schwarzmeier: Wie habt ihr die Preisvergabe in Düsseldorf empfunden?
Raziullah:
Ich bin sehr sehr stolz auf unsere Schule, ich finde das toll! Unsere Schule hat mit uns viel gemacht, wir haben hier viel Deutsch gelernt. Letztes Jahr hatte ich Matheunterricht und Politik und auch Deutsch. Unsere Lehrerinnen und Lehrer sind sehr nett und die haben auch viel Spaß mit uns gemacht. Letzten Herbst  sind wir für drei Tage auf Klassenfahrt nach Knüllwald gefahren und letzten Winter waren wir für einen Tag auf der Eisbahn in Lauterbach. Das war ein wunderbarer Tag!  Die Max-Eyth-Schule hat sehr viel für uns gemacht und ich danke der Max-Eyth-Schule!
Ihr habt Herrn Deichmann angesprochen, warum?
Faiz: Ich habe mit Herrn Deichmann gesprochen, ich möchte in seiner Firma Ausbildung machen. Leider hat er keine Fabrik in Deutschland, er hat nur Geschäfte. Er hat gesagt, du kannst ja Verkäufer-Ausbildung machen, aber ich möchte gerne in einer Fabrik Ausbildung machen und Schuhe herstellen.
Du kommst aus Pakistan, was hast du gemacht, bevor du herkamst?
Faiz: Ich war auch in der Schule. Ich habe in Pakistan 6 Monate Praktikum im Metallbereich gemacht.
Hier habe ich abwechselnd Fachpraxis in der Küche und in der Metallwerkstatt. Ich interessiere mich aber auch für Holz und Elektroberufe. Eigentlich möchte ich eine Ausbildung zum Zimmermann machen.
Und du?
Raziullah: Ich habe 7 Jahre Schule besucht und 6 Monate als Elektriker und als 6 Monate als Maler Praktikum gemacht. Ich interessiere mich auch für Informatik. Ich habe auch mit meiner Klassenlehrerin gesprochen und sie hat gesagt, dass ich für  eine Woche in eine Informatikklasse gehen kann, da kann ich ausprobieren, ob ich das schaffe. Ich habe in meinem Land (Afghanistan) auch zwei Jahre Informatik gelernt.  Das war ein privater Kurs. Ich interessiere mich auch für Elektronik. Leider braucht das viel Mathe…
Was ist schwerer, Mathe oder Deutsch?
Deutsch ist schwerer, weil Deutsch nicht meine Muttersprache ist. Ich bin seit fast zwei Jahren in Deutschland. Es ist schwierig aber ich versuche, ich lerne jeden Tag Deutsch. In der Schule, zu Hause, in der Stadt am Wochenende, da fahre ich immer nach Frankfurt oder Gießen und ich spreche mit Leuten.
Ist es schwer Kontakte mit Deutschen zu bekommen
Es ist ein bisschen schwer, denn deutsche Kultur und meine Kultur sind nicht gleich. Ich habe deutsche Freunde, ich habe Kontakt. Wir fahren in die Stadt und ich rede mit Leuten, ich gehe in Geschäfte. Deutsche Leute sind sehr nett aber manche sind auch schlimm. Aber das gibt es überall,  das ist in meinem Land auch so – es gibt überall nette und schlimme Menschen.
Was würdet ihr euch wünschen mit anderen Schülern dieser Schule zu machen? Sport? Kochen? Nachhilfe?
Faiz. Wenn wir mit deutschen Schülern lernen, dann können wir schneller Deutsch lernen. Wir möchten gerne mit deutschen Leuten lernen.
Raziullah: Nachhilfe wäre gut!
Habt ihr Kontakt zu euren Familien?
Raziullah: Ich bin alleine hier, meine Familie ist in Afghanistan. Ich habe Kontakt, ich telefoniere. Ich kaufe Guthaben und ich spreche mit meiner Familie. Ich bin allein in Deutschland.
Leider ist die Sicherheit in Afghanistan schlechter geworden. Jede Woche passiert etwas, Explosionen, dreimal die Woche, das ist in Afghanistan ganz normal. Wenn ich das im Radio oder im Fernsehen höre, das macht mir Stress und ich kann mich dann nicht aufs Deutschlernen konzentrieren. Ich denke dann an meine Familie, wo sind sie? Was passiert mit ihnen? Das stresst mich sehr. Ich kann mich nicht konzentrieren. Momentan ist es ganz schlecht in Afghanistan. Ein Bundesland heißt Kundus, das haben die Taliban wieder eingenommen.
Faiz:Meine Familie ist in Pakistan. Wir telefonieren etwa einmal im Monat. Ich weiß nicht viel, was dort passiert. Ich habe wenig Kontakt mit meiner Familie.
Die Klasse und die Schule sind sehr wichtig für uns. Wenn wir etwas nicht verstehen, dann fragen wir die anderen in der Klasse. Wir unterhalten uns viel.
Was ist in Deutschland anders als in euren Heimatländern?
Raziullah: Die Technologie ist in Deutschland neuer. In meinem Land ist Krieg. Wir haben deshalb nicht so viel moderne Technologie. In meinem Land ist seit 30 Jahren Krieg, alles ist kaputt. Hier fahre ich mit dem Zug, in Afghanistan gibt es keinen Zug. Und in der Schule sind Klassenfahrten ganz neu für mich. 


04.12.2015